Lehrer: Gebraucht und trotzdem verheizt

„Lehrern muss von den Bildungspolitikern wieder mehr Zeit zugestanden werden“, fordert Peter Kogge. Denn Zeit sei unerlässlich für die Qualität des Unterrichts. Foto: pit

Ehemaliger Kiwi-Pädagoge hat ein kritisches Buch geschrieben

Über 30 Jahre lang hat Dr. Peter Kogge am Kiwi-Gymnasium Deutsch, Religion und Latein unterrichtet. Als er vor zwei Jahren pensioniert wurde, hat er viel Zeit in Cafés verbracht. Allerdings nicht nur zum Kaffeetrinken – der 66-Jährige hat dort ein Buch geschrieben. Darin setzt er sich kritisch mit der Situation seines Berufstands auseinander und verrät gleich im Titel, was Sache ist: Lehrer: Dringend gebraucht und fahrlässig verheizt. „In den langen Berufsjahren hat sich bei mir viel Wut angestaut, das musste ich mir von der Seele schreiben“, erklärt er.
In den letzten 20 Jahren habe er eine systematische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen registiert. Zum einen gesellschaftlich bedingt, weil Lehrer immer mehr Erziehungsaufgaben übernehmen müssen, für die eigentlich keine Zeit ist; zum anderen durch die rigorose Sparpolitik verursacht: Durch kontinuierliche Arbeitszeiterhöhung bleibe den Lehrern kaum noch Zeit, den Unterricht spannend und kreativ zu gestalten. „Das sollte er aber sein, denn sonst sind wir nur noch Unterrichtsroboter“, so Kogge.
Hinzu kämen die enorm gestiegenen Anforderungen an die Pädagogen. Spätestens seit dem Pisa-Schock vor rund zehn Jahren seien die Schrauben deutlich angezogen worden: mehr Fortbildungen, mehr zeitraubende Formalitäten, neue Lehrpläne.
Für den pensionierten Lehrer ist die unheilvolle Kombination von Pisa-Schock und gleichzeitigem Sparzwang die Wurzel allen Übels. „Der Lehrerberuf ist aus der Balance geraten“, warnt Kogge. Die Zeit, die man früher hatte und die für die Qualität des Unterrichts so wichtig sei, stehe heutzutage nicht mehr zur Verfügung. „Wir brauchen aber motivierte und gut ausgebildete Lehrer für die Qualität unseres Bildungssystems und die Zukunft unserer Kinder“, sagt er. Trotzdem täten die Bildungspolitiker offenbar alles, um den Beruf durch immer neue Belastungen zunehmend unattraktiver zu machen.
Mit seinem Buch, das sich nicht nur an Kollegen und Politiker, sondern auch an Studenten richtet, will er nicht nur aufrütteln, sondern durchaus auch abschrecken. Denn: „Wenn keiner mehr Lehrer werden will, muss man den Beruf wieder attraktiver machen!“

Peter Kogge: Lehrer: Dringend gebraucht und fahrlässig verheizt; Schulpädagogische Interventionen, Bd. 5, 208 Seiten, 19,90 Euro; ISBN 978-3-643-11416-7
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3 Kommentare
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Gabriele Harder aus Groß Flottbek | 02.12.2011 | 18:43  
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Denise Tara aus Wilhelmsburg | 29.03.2013 | 23:43  
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Denise Tara aus Wilhelmsburg | 29.03.2013 | 23:46  
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