Lauben plötzlich zu groß

Sauer: die Kleingartenbesitzer Peter Schieck (v. l.), Günter Schröder und Ronald Wilken. Foto: cvs

Wegen Gartenschau: Kleingärtner sollen ihre Häuschen eindampfen

von Ch. v. Savigny

Ronald Wilken ist richtig sauer. „Wegen ein paar Quadratmetern müssen wir jetzt abreißen“, schnaubt er. Es geht um den Vorbau an seiner Laube im Kleingartenverein Bauernfelde – eine Art Veranda, wie sie an fast allen Wilhelmsburger Gartenhäuschen zu finden ist. Laut einer Anweisung des Bezirksamt Mitte sind diese zu groß und müssen weg. Hintergrund ist die Internationale Gartenschau (igs).
Offenbar sollen die Besucher nur Lauben zu sehen bekommen, die den Vorschriften des Bundeskleingartengesetzes entsprechen. Lediglich 24 Quadratmeter seien erlaubt, heißt es dort. Das Problem: Der Großteil der Häuschen erreicht dieses Maß bereits ohne Anbau. Jahrzehntelang hatte sich niemand an diesem Regelverstoß gestört. Nur jetzt, wo die Elbinsel anfängt, sich für das Event 2013 herauszuputzen, werden mit einem Mal strengere Maßstäbe angelegt. „Wenn das tatsächlich durchgesetzt wird, müssten in Wilhelmsburg 400 bis 500 Lauben zurückgebaut werden“, schätzt Wilken.
Die Wilhelmsburger Kleingärtner, betroffen sind sechs Vereine, haben eine „Interessengemeinschaft gegen den Rückbau von Gartenlauben“ gegründet, in der sich nach eigenen Angaben bereits mehr als 300 Mitglieder engagieren. „Es ist für uns unverständlich, warum nach jahrzehntelanger Duldung durch die Stadt nun aufgrund der bevorstehenden igs ein Aktionismus zu Lasten der kleinen Leute gestartet wird“, sagt Christine Wolfram, eine der Sprecherinnen. Nachgeben wollen die Schrebergärtner nicht. Notfalls werde man bis vors Verwaltungsgericht ziehen.
Der plötzliche Vorstoß der Bezirksverwaltung ist insofern schwer verständlich, als alle anderen Hamburger Parzellen – also die, die nicht auf oder direkt neben dem künftigen igs-Gelände liegen – trotz zu großer (An-)Bauten ungeschoren davonkommen. „Unsere Bauprüfabteilung ist nur deshalb aktiv geworden, weil sie entsprechende Hinweise bekommen hat“, bestätigt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte. Normalerweise kümmerten sich die Vorstände der Kleingärten selbst um die Einhaltung der Vorschriften. Einer unbestätigten Meldung zufolge hat das Bezirksamt den Kleingärtnern jetzt Kompromissgespräche angeboten. „Das ist noch nicht konkret“, so Weiland.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.