Lara Mias Mutter erneut vor Gericht

Jessica R. (21) steht wegen des Todes ihres Säuglings zum zweiten Mal vor dem Landgericht. Zu den Tatvorwürfen schweigt die junge Frau. Foto: dpa (Foto: dpa)

Das Baby musste qualvoll sterben – Prozess wird neu aufgerollt

Nur noch knapp fünf Kilo wog die kleine Lara Mia, als die Sanitäter sie auf einer stinkenden Matratze in der völlig verwahrlosten Wohnung in der Weimarer Straße fanden. Doch die Helfer kamen zu spät, der stark unterernährte Säugling starb am 11. März 2009. Ein gutes Jahr später wurden die Mutter Jessica R. (21) und der Stiefvater Daniel C. wegen Vernachlässigung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Jetzt wird der Prozess neu aufgerollt.
„Ein viel zu mildes Urteil“, hatte Karl-Heinz Rank, Vater von Jessica, damals kritisiert. Der 67-jährige Neugrabener hätte seine Tochter lieber im Gefängnis gesehen, gestand er gegenüber dem Wochenblatt. „Vielleicht wäre sie da endlich zur Besinnung gekommen, ihren Schulabschluss nachholen oder sogar eine Ausbildung machen!“
Möglicherweise wird ihm dieser Wunsch nun doch noch erfüllt: Nachdem der Bundesgerichtshof im Mai das Urteil des Hamburger Landgerichts aufgehoben hatte, wird jetzt neu verhandelt. Diesmal klagt die Staatsanwaltschaft Jessica R. wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen an. Von diesem Vorwurf hatte das Landgericht damals abgesehen, da die Angeklagten immerhin den Notarzt alarmiert hätten. Das Urteil könnte damit jetzt wesentlich härter ausfallen.
Nicht minder schwer wiegt der zweite Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Verletzung der Fürsorgepflicht. Jessica R. und ihr damaliger Lebensgefährte sollen das Baby bereits seit Oktober 2008 nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt haben. Auch als das Kind deutlich sichtbar zu dünn gewesen sei, wären die Eltern nicht zum Arzt gegangen. Dabei muss Lara Mia unvorstellbare Qualen erlitten haben. Eine Nachbarin hatte dem Kind noch kurz vor dessen Tod die Windeln gewechselt. „Ich konnte die Rippen sehen“, berichtet die 42-Jährige im Zeugenstand. Anschließend habe sie überlegt, ob sie das Jugendamt informieren solle, wollte sich dann aber doch nicht einmischen.
Doch auch das hätte wohl nichts mehr geändert: Zum Zeitpunkt des Todes von Lara Mia befand sich die Familie längst in der Obhut des Jugendamts Mitte. Die zuständige Betreuerin wurde später wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Geldstrafe verurteilt.
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