Land unter!

„Das Haus ist Familienbesitz, da hänge ich dran", sagt Elke Schultz (77). Foto: cvs

Überschwemmung in Georgswerder:
Kleingärtnerin beklagt schmale und vermüllte Gräben

Von Christopher von Savigny.
Elke Schultz (77) sitzt auf gepackten Koffern. Sollte das Wasser noch ein paar Zentimeter weiter steigen, würde es wohl in ihr Wohnzimmer hineinlaufen. „An mein Feuerholz komme schon nicht mehr ran", sagt Schultz und zeigt auf ihren Schuppen, der sich im hinteren Teil ihrer 2.000 Quadratmeter großen Parzelle befindet.
Dazwischen breitet sich eine seit Tagen immer größer werdende Wasserfläche aus. Etwa knietief ist der kleine See mittlerweile. Die Bewohnerin erinnert sich an die Flut von 1962, die sie bereits mitgemacht hat. „Damals hat uns die Bundeswehr rausgeholt", berichtet sie. Bis zur Dachkante habe das Wasser gestanden.

Kolonie 111 an
der Fiskalischen Straße

So weit wird es diesmal nicht kommen. Schultz wird sich wahrscheinlich bei ihrem Sohn einquartieren, der auch in Wilhelmsburg lebt. „Aber schon traurig, man hängt ja an all dem hier", sagt sie.
In der letzten Woche hat es fast ununterbrochen geregnet. Die Gräben, die die tief liegende Elbinsel eigentlich entwässern sollen, sind längst übergelaufen. Etliche Kleingärten sind überschwemmt - so auch der von
Elke Schultz in der Kolonie 111 am Ende der Fiskalischen Straße. Seit 57 Jahren lebt die Laubenpieperin dort in einem sogenannten Behelfsheim - ein gemauertes Häuschen, wie es nach dem Krieg errichtet wurde, um die damalige Wohnungsnot zu lindern. Schultz macht die Stadt für die Überschwemmung verantwortlich.
„Früher waren die Gräben drei bis vier Meter breit, und es lag auch nicht so viel Müll darin“, sagt sie. Anstelle des breiten Grabens habe man jetzt eine Versorgungsstraße für den Energieberg gebaut. „Unmöglich, sowas“, sagt Schultz.
Beim Bezirksamt Mitte kann man etwas zum Hintergrund erfahren: „Wir mussten die Schleusen dichtmachen, weil es soviel geregnet hat“, sagt Sprecherin Sorina Weiland. Ansonsten hätte die Gefahr bestanden, dass das Elbwasser in die Gräben hineingedrückt wird. „In Wilhelmsburg ist der Grundwasserspiegel einfach sehr hoch", bittet Weiland um Verständnis.
„Wenn dann noch so eine Wetterlage dazukommt, muss man eben mit dem Hochwasser leben.Letzter Stand vom Ende der vergangenen Woche war, dass zumindest die Ernst-August-Schleuse wieder geöffnet werden sollte.

Behelfsheime

Im Hamburg der Nachkriegszeit gab es etwa 40.000 Behelfsheime - heute liegt die Zahl nach Auskunft des Landesbunds der Gartenfreunde noch bei etwa 600 bis 800. Die Besitzer dieser mit Küche und Sanitäranlagen ausgestatteten Gebäude genießen lebenslanges Wohnrecht. Wird ein Behelfsheim aufgelöst, steht dem ehemaligen Nutzer eine kleine Entschädigung zu, die von der Finanzbehörde geleistet wird.
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