Krank aufs Zimmer verbannt – und das Fernsehen geht nicht

Das katholische Alten- und Pflegeheim St. Maximilian Kolbe ist sanierungsbedürftig. Sobald die gleichnamige Kirche nebenan abgerissen wird, soll es erweitert werden.
 
Waltraud Wagner ärgert sich, dass der Fernsehempfang immer wieder ausfällt, manchmal wochenlang. „Es muss eine neue Fernsehantenne her“, fordert sie.

Beiratsvorsitzende des St. Maximilian Kolbe Heims prangert Missstände an

Auf die Eröffnung der olympischen Winterspiele hatte sich Waltraud Wagner sehr gefreut. Doch als die 83-Jährige am 7. Februar ihren Fernseher anschaltete, kam kein Bild. „Mal wieder!“, ärgert sich die Bewohnerin des katholischen Maximilian Kolbe Heims in der Krieterstraße. Seit 2012 falle der Empfang in dem Alten- und Pflegeheim regelmäßig aus – ein Mal sogar sechs Wochen am Stück, erzählt die Seniorin.
Seit Weihnachten tobt das hoch ansteckende Norovirus im Haus. Deshalb traf der letzte Fernsehausfall die Bewohner besonders hart, denn sie sollen in ihren Zimmern bleiben, dürfen kein Besuch bekommen und müssen auf das Unterhaltungsprogramm sowie alle Kurse verzichten. „Was sollen wir ohne Fernsehen denn machen? Wer nicht mehr lesen kann, wird doch verrückt!“, klagt Wagner.
Die ehemalige Krankenschwester, die selbst sieben Jahre lang ein Altenheim in der Nähe von Lüneburg leitete, hat als Vorsitzende des Heimbeirats schon oft Missstände angeprangert: Kaputte Spülkästen, ungepflegte Grünanlagen und Balkone, die nicht behindertengerecht sind und damit von vielen Bewohnern nicht genutzt werden können. Von der Heimleitung hieße es immer nur, es gebe kein Geld, die Bewohner müssten Geduld haben. „Wir sind hier alle über 80 und wollen es jetzt schön haben. Wenn man noch länger wartet, leben viele vermutlich nicht mehr“, sagt die Kirchdorferin. Außerdem zahle jeder Bewohner 450 Euro Investitionsgeld im Monat. Bei zurzeit 135 Heimbewohnern mache das 729.000 Euro im Jahr, rechnet Wagner vor. „Wo bleibt das Geld? Hier im Haus ganz bestimmt nicht!“, sagt sie.
Träger des Heimes ist die katholische Kirchengemeinde St- Bonifatius. Ein Kuratorium, in dem auch Gemeindepfarrer Thomas Hoffmann sitzt, entscheidet über das Heim und seine Belange. Hoffmann bestätigt, dass die 1983 eröffnete Einrichtung nicht auf dem neuesten Stand sei und es einen Investitionsstau gebe. „Aber jeder Euro, der für das Haus kommt, geht wieder in das Heim“, betont er.
Das Maximilian Kolbe Heim könnte schon bald einen neuen Träger bekommen. Zurzeit laufen Verhandlungen mit den Maltesern, die deutschlandweit 20 Altenpflegeeinrichtungen betreiben. Sie haben für das Haus bereits ein Konzept, das zeitnah nach Abschluss der Verhandlungen umgesetzt werden soll, so Pfarrer Hoffmann. Zudem gibt es Pläne, die Einrichtung zu erweitern, sobald die angrenzende Kirche abgerissen wird (das Wochenblatt berichtete).


Das sagt die Heimleitung:
Der Fernsehempfang sei am Freitag, 7. Februar, gegen 18.30 Uhr durch einen Sturmschaden ausgefallen, erklärt Heimleiter Matthias von Dufving. „Die Reparatur ist gleich am Montag erfolgt“, sagt er. Die Technik sei in der Vergangenheit zwar bereits öfter ausgefallen, eine neue Satellitenschüssel wolle man aber nicht anschaffen, solange die alte noch repariert werden kann. Auch für alle anderen Schäden gelte: „Sobald ein Mangel bekannt ist, wird er schnellstmöglich behoben“, betont von Dufving. Waltraud Wagners Spülkasten werde diese Woche erneuert, auch andere Kästen seien schon instand gesetzt worden. Auch ein Umbau der Balkone gemäß den gesetzlichen Bestimmungen sei geplant, jedoch habe das Heim dafür laut Gesetz noch bis 2022 Zeit.
Und was passiert mit den 450 Euro, die jeder Bewohner monatlich für Investitionen zahlt? „Mithilfe des Investitionskostensatzes wird die Bausumme refinanziert“, erklärt der Heimleiter. Das Bauvolumen von rund 17 Millionen Deutsche Mark werde anteilig auf die Bewohner umgelegt.
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