Köhlbrandbrücke - innovative Lösung statt Abriss in 12 Jahren!

Köhlbrandbrücke - nur wenige Schiffe kommen nicht unter ihr hindurch
 
Der Straßenverkehr im Hamburger Hafen steigt nicht. Datenquelle: http://www.hamburg.de/contentblob/7512282/4f1bd32c...

Seit Januar 2017 unternimmt die Hamburg Port Authority (HPA) einen erneuten Anlauf für eine neue Köhlbrandquerung. In Arbeit ist bereits eine Machbarkeitsstudie, ob es anstelle der jetzigen Köhlbrandbrücke eine neue Brücke oder einen Tunnel geben soll. Jetzt hat die HPA (a) die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie zur Ausgestaltung einer neuen Brücke sowie (b) die Kommunikation  zu der Planung einschließlich Bürgerbeteiligung ausgeschrieben. Ist der Abriss der Köhlbrandbrücke ca. im Jahr 2030 damit unausweichlich?

"Der bauliche Zustand, die geringe Durchfahrtshöhe, sowie der erhöhte verkehrstechnische Bedarf erfordern den Neubau einer Köhlbrandquerung in absehbarer Zukunft", schreibt die stadteigene HPA in ihrer Ausschreibung vom 11.Oktober 2017, mit der sie Angebote bis zum November 2017 einholt.

Wie lange hält die Köhlbrandbrücke noch?

Der "bauliche Zustand" wird seit etwa 12 Jahren beklagt,immer wieder ist vom baldigen Ende der Köhlbrandbrücke die Rede. Nach der letzten 60 Mio. Euro teuren Sanierung im Jahr 2015 lautet die Formel: "Nach der aktuellen Zustandsbewertung ist eine Grundinstandhaltung der Brücke über das Jahr 2030 hinaus nicht mehr wirtschaftlich möglich", d.h. eine immer wiederkehrende Sanierung käme auf die Dauer teurer als ein Neubau. Tatsächlich ist es aber nicht allgemein "der Verkehr", der der Brücke so zusetzt sondern der Schwerlastverkehr der 12-, 20- oder auch 40-Tonner. Auch wenn es bei den sehr unterschiedlich gebauten Brücken dafür keine allgemeine Formel gibt, kann man sagen, dass ein einzelner Schwerlaster die Brücke mehr schädigt als alle PKW einer Woche. Unter Berufung auf die Belastung der Köhlbrandbrücke durch den Schwerlastverkehr hat bereits 2008 eine nicht veröffentlichte Machbarkeitsstudie von PTV (sie liegt dem Verfasser aufgrund des Transparenzrechts des Bundes vor) für die damals parallel zur Köhlbrandbrücke geplante Hafenquerspange gefordert, dass die Köhlbrandbrücke gesperrt wird für LKW mit mindestens 12t zulässigem Gesamtgewicht. Das Ziel war damals allerdings nicht die Erhaltung der Köhlbrandbrücke, sondern genügend LKW auf die Hafenquerspange zu zwingen, die über Maut mitfinanziert werden sollte.
Eine Sperrung für LKW würde es jetzt ermöglichen, dass die Köhlbrandbrücke ohne Probleme noch viele Jahrzehnte bestehen bleibt.

Ist die Köhlbrücke mit 53m zu niedrig?

"Zudem hindert die Durchfahrtshöhe der Köhlbrandbrücke mit 53 Metern lichte Höhe den künftig zunehmend üblichen großen Seeschiffen an der Passage", heißt es in der Ausschreibung, In der Tat können die ganz großen Schiffe nicht mehr den Containerterminal Altenwerder anfahren. Dieses ist aber auch nicht notwendig. Zum einen werden zwar zunehmend mehr große Schiffe kommen, aber es ist auch in Zukunft nur eine Minderheit der Schiffe so hoch, dass sie nicht unter der Köhlbrandbrücke hindurch kommen. Zum anderen hat der Hamburger Hafen ausweislich der von der HPA im Jahr 2015 veröffentlichten Prognose, S.66,  eine infolge des Ausbaus der HHLA-Terminals Tollerort, Burchardkai und des Eurogate-Teriminals  eine auf fast 50% sinkende Auslastung seiner Umschlagskapazität, weil der Containerumschlag seit 10 Jahren nicht mehr wächst. Hinzu kommen die noch offenen Planungen für einen Terminal Steinwerder-Süd, der ebenfalls unabhängig von der Köhlbrandbrücke ist. Es gibt keine Notwendigkeit, dass jedes Schiff nach Altenwerder kommen kann.
Die Höhe der Brücke ist deshalb kein zwingender Grund für einen Abriss der Köhlbrandbrücke.

Gibt es immer mehr LKW-Verkehr auf der Köhlbrandbrücke?

Prognosen, die zur Begründung der Hafenquerspange erstellt waren, gingen nahezu einer Verdoppelung des LKW Verkehrs von 2005 bis 2015 aus. Tatsächlich ist sowohl der PKW- als auch der LKW-Verkehr auf der Köhlbrandbrücke auf gleicher Höhe geblieben, übrigens auch auf den anderen Straßen des Hafens. Die HPA ist darauf auch stolz, weil ihr Konzept, Verkehr von der Straße auf die Bahn und zum Teil auf das Wasser zu verlagern, offenbar wirkt.   

Die innovative Alternative für das 21.Jahrhundert: moderner Hafentunnel für LKW, Köhlbrandbrücke für PKW - und vielleicht auch Fahrräder

Notwendig ist ein Hafentunnel für den Schwerlastverkehr des Hafens. Dieser muss voll ausgerüstet sein in für die Digitalisierung der nächsten LKW-Generation, so dass die Fahrzeuge automatisiert, sicher, zügig und platzsparend unter dem Köhlbrand hindurch geführt werden. Dafür dürfte ein Tunnel mit zwei Fahrspuren und einer Ausweichspur ausreichen. Planerisch mitgedacht werden sollte eine spätere Erweiterung, falls diese einmal notwendig werden sollte.
Die Köhlbrandbrücke kann dann erhalten werden für PKW und möglichst auch für Fahrräder. Sie ist dann auch in 50 Jahren ein Wahrzeichen Hamburgs.

Finanzierung

Für eine neue Köhlbrandquerung werden in unterschiedlichen Szenarien 700 Mio. Euro veranschlagt. Die zuständige HPA hat diesesd Geld nicht. Die Überschuldung Hamburgs ist laut Finanzsenator Tschentscher auf 23 Mrd. Euro gestiegen  und steht vor den Risiken der HSH-Abwicklung.  (Hamburger Abendblatt, 27.9.2017). Für die Finanzierung braucht Hamburg den Bund. Entgegen früheren Aussagen der Wirtschaftsbehörde und des Senats (Bürgerschaftsdrucksache 20/10725 vom 7.2.2014) ist eine Beteiligung des Bundes möglich. Das Vorbild ist dabei der Hafentunnels in Bremerhaven, der nach §5a Bundesfernstraßengesetz vom Bund mit finanziert wird.

Voraussetzung dafür ist aber, dass die neue Bundesregierung und der Bundestag die Straße als für die Anbindung der Hamburger Hafenterminals an die A7 als notwendig ansehen. Dafür sollte Hamburg die Planung für die Autobahn A26-Ost quer durch den Hamburger Süden (Moorburg und Wilhelmsburg) aufgeben. Die Hafenquerspange nach den Vorstellungen von 1940 nützt dem Hafen nicht, sie schadet der Stadtentwicklung und verstopft Hamburg mit zusätzlichem Pendlerverkehr.
 














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1 Kommentar
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Hans-Jürgen Maass aus Wilhelmsburg | 31.10.2017 | 02:33  
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