Kochen verbindet!

Sieht lecker aus: Hamburger zum Selbstbelegen und dazu frischer Salat . Fotos: cvs

Bei den Kochabenden von „Die Insel hilft“
kommen Syrer und Wilhelmsburger zusammen

Von Ch. v. Savigny. Es sieht gut aus, was Safwat (32), Belal (25) und Tarek (38), da zusammengebrutzelt haben. Und vor allem: Es riecht gut. Nach gebratenem Fleisch und nach interessanten Gewürzen.
Jetzt liegt der Stapel Bulletten hübsch angerichtet mit Petersilie und Tomatenscheiben auf einem Teller. Es gibt Hamburger – Hamburger mit Hamburgern sozusagen. Denn während die Mehrzahl der Köche aus Syrien stammt, setzt sich die Gästeschar – die allerdings mindestens ebenso fleißig an den Vorbereitungen beteiligt ist – aus deutschen Nordlichtern und aus Elbinsulanern zusammen.

Künstleratelier mit gut
ausgestatteter Kochecke

Seit Mitte letzten Jahres treffen sich in den Wilhelmsburger Zinnwerken regelmäßig einmal pro Monat Flüchtlinge und Einheimische, um gemeinsam zu kochen und zu tafeln. Organisiert werden die interkulturellen Kochabende vom ehrenamtlich geführten Verein „Die Insel hilft“.
„Wir sehen das als tolle Gelegenheit, sich auf Augenhöhe zu begegnen“, sagt Mitorganisatorin Luise (22), Studentin der Kulturwissenschaften. Das Konzept: Den Raum, ein großzügig geschnittenes Künstleratelier mit gut ausgestatteter Kochecke, stellen die Zinnwerke kostenlos zur Verfügung. Die Lebensmittel stammen aus Spenden. Nur die deutschen Teilnehmer zahlen einen kleinen Beitrag – damit werden anfallende Unkosten beglichen.
Die Teilnehmerzahl liegt bei durchschnittlich 20 Personen, gesprochen wird Deutsch und Englisch. Mohamed (26, Syrien) wohnt im Zentralen Erstaufnahmelager (ZEA) in der Dratelnstraße. Dort hat keiner der Bewohner die Möglichkeit, zu kochen. „Der Kochabend ist eine gute Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen“, sagt Mohamed, der in Hamburg sein Studium zum Flugzeugingenieur fortsetzen möchte.

„Über den Tellerrand
kochen“

Sein Eindruck von den Hamburgern: „Alle sind sehr nett, sehr hilfsbereit. Aber auch sehr realistisch, sehr vorausplanend. So etwas kenne ich aus meiner Heimat nicht. Wenn man sich mit einem Hamburger verabreden möchte, sollte man das mindestens ein bis zwei Wochen im Voraus tun!“
Pate des Wilhelmsburger Projekts ist die Berliner Initiative „Über den Tellerrand kochen“. Der Verein „Die Insel hilft“ wurde Ende 2014 gegründet. Derzeit umfasst das Helfernetzwerk etwa 100 bis 150 Ehrenamtliche. Zum Angebot gehört auch eine Sprachtandem-Gruppe mit aktuell 50 Teilnehmern.
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