Kleiderkammer: Schlimmer Verdacht

Der Wilhelmsburger Gerhard Dombrowski hat aus seiner Garage heraus Mitarbeiter der Kleiderkammer fotografiert, wie sie Spenden sortieren – und in einer privat gemieteten Garage lagern. (Foto: Dombrowski)

Der Vorwurf: Mitarbeiter sollen Spenden stehlen und weiterverkaufen

Gerhard Dombrowski ist empört: Zum wiederholten Mal hat er Mitarbeiter der Kleiderkammer Wilhelmsburg dabei beobachtet, wie sie eine Wagenladung voll Kleiderspenden in eine private Garage in der Leipeltstraße bringen. „Die suchen sich die besten Sachen raus“, argwöhnt er. Vor kurzem hat er die Leute erneut beobachtet – und heimlich fotografiert. „Beweisfotos!“, sagt er.
Der Wilhelmsburger beobachtet die Vorgänge seit Monaten. Alle zwei Wochen würden massenweise Altkleider per Lkw in die Leipeltstraße gefahren. „Später verscherbeln sie die Sachen dann auf dem Flohmarkt.“ Eine ehemalige Mitarbeiterin der Kleiderkammer, die Dombrowski persönlich kennt, habe ihm das verraten. Allerdings will die Dame anonym bleiben. „Aber ich bin sicher, dass das stimmt“, sagt Dombrowski. „Man kann sich ja mal privat was raussuchen, das ist menschlich“, findet er. „Aber dann wäre das ein Sack voll und nicht eine ganze Garage voll!“
Bei der passage gGmbh, dem Betreiber der Kleiderkammer, fällt man angesichts der schweren Vorwürfe aus allen Wolken. „Wir nehmen solche Hinweise sehr ernst und werden die Sache mit Nachdruck und Tempo verfolgen“, versichert Geschäftsführerin Gudrun Stefaniak.
Norbert Meiburg, Leiter der Wilhelmsburger Kleiderkammer, hat die Sache recherchiert: Tatsächlich sind auf dem Foto Mitarbeiter der Kleiderkammer zu sehen. „Sie sortieren Hausrat nach brauchbar und unbrauchbar für unsere Ausgabestellen“, erklärt er. Früher sei die Ware direkt auf den beiden firmeneigenen Lkw sortiert worden, doch die mussten verkauft werden. Danach habe es ein Platzproblem gegeben, denn die angemieteten Transporter seien viel kleiner. Die Privatgarage könne allerdings nicht die Lösung sein und sei zudem ohne Wissen der Geschäftsleitung genutzt worden. Meiburg: „Das wird unverzüglich abgestellt.“
Ob – wie behauptet – Spenden gestohlen und weiterverkauft werden, lässt sich nicht beweisen. Auf die Frage, ob es einen Schwund an Kleiderspenden gebe, erklärt Meiburg knapp: „Verluste größeren Ausmaßes sind uns nicht bekannt.“

Vom Altkleidercontainer zur Ausgabestelle
Die Sachspenden – Textilien, Spielsachen und Hausrat – gelangen über Altkleidercontainer, Straßensammlungen und Direktabholungen zur Kleiderkammer Wilhelmsburg. Die Sachen werden im Sortierraum, Am Veringhof 17, sortiert. Sehr schwere Kartons (mit Hausrat aus Glas und Porzellan) werden direkt auf den Ladeflächen der Lkw sortiert. Wenn die Fahrzeuge beladen sind, fahren sie zu den Ausgabestellen, die über ganz Hamburg verteilt sind.
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