Kinderbauernhof verliert Ein-Euro-Jobber

Gerd Horn arbeitet jede Woche 80 Stunden ehrenamtlich auf dem Kinderbauernhof. Was passiert, wenn er nicht mehr kann? Das ist seine größte Sorge.

Betrieb ist gefährdet – Sozialbehörde sucht nach Lösung

Tiere füttern, Ställe ausmisten – was für manche nach anstrengender Arbeit klingt, macht Dirk Knoll (43) und Klaus Callsen (57) einen Heidenspaß. „Wir machen hier etwas Sinnvolles“, freut sich Knoll. Seit August arbeiten die beiden Langzeitarbeitslosen auf dem Kinderbauernhof in Kirchdorf-Süd. Insgesamt packen hier 18 Ein-Euro-Jobber mit an, helfen rund 130 Tiere zu versorgen, den Hof zu pflegen und Kindergruppen zu betreuen. Doch damit ist bald Schluss: Zum 1. Februar verliert die Einrichtung alle Ein-Euro-Jobber, die hier für rund 1,60 Euro die Stunde bis zu 30 Stunden die Woche gearbeitet haben (siehe Infokasten). Für den Kinderbauernhof ist das der Supergau.
„Als ich erfahren habe, dass alles auf Null geschraubt wird, bin ich innerlich zusammengebrochen. Da kannst du nur heulen“, sagt Gerd Horn verzweifelt. Er leitet den Kinderbauernhof seit seiner Eröffnung vor 27 Jahren. Ehrenamtlich. Der 60-Jährige steckt jede Woche rund 80 Stunden in die Arbeit. „Ich bin sieben Tage die Woche hier. Aber es ist immer noch zu wenig“, sagt er. Die Ein-Euro-Jobber hinterlassen eine Lücke, die Horn nicht füllen kann.
Auch nicht mit Ehrenamtlichen, von denen sich rund 15 auf dem Hof engagieren. Für feste Mitarbeiter fehlt ohne regelmäßige Förderung das Geld. Und die Ausgaben sind hoch: Allein die Tierarztrechnung beläuft sich auf bis zu 1.000 Euro monatlich, so Horn. Hinzu kommen Pacht und Versicherungen.
Geld in die Kasse spülen hauptsächlich die rund 400 Kindergeburtstage pro Jahr und der Eintritt, den die 10.000 bis 12.000 Schul- und Kita-Kinder entrichten, die den Hof jedes Jahr besuchen. „Die Gruppen zahlen, damit Kinder aus Kirchdorf-Süd hier umsonst herkommen können“, erklärt Horn. Sein Wunsch ist es, eine feste monatliche Förderung zu bekommen. Mit etwa 35.000 Euro jährlich könnte er wieder mehr Programm für die Stadtteilkinder anbieten, sagt der Betriebsleiter.
Hilfe könnte von der Sozialbehörde kommen. „Wir sehen die Bedeutung des Projektes für den Stadtteil und strengen uns an, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen“, sagt Sprecher Marcel Schweitzer. Konkreteres will er nicht sagen, nur so viel: „Es sieht gut aus.“


Immer weniger Ein-Euro-Jobber
Die Zahl der Ein-Euro-Jobs sinkt stetig: Während es 2010 in Hamburg noch rund 9.000 Plätze gab, sind es für 2015 nur noch 2.320. Die Ein-Euro-Jobs für den Kinderbauernhof verwaltet der Beschäftigungsträger Passage, der verschiedene soziale Einrichtungen in Wilhelmsburg betreibt. Laut Jobcenter, das die Plätze vergibt, ist der Kinderbauernhof in der aktuellen Vergaberunde nicht berücksichtigt worden, weil sich sein Konzept gegen die vielen Mitbewerber nicht durchsetzen konnte. Grundsätzlich gilt: Die Arbeitsgelegenheiten sollen keine reguläre Jobs ersetzen, sondern Langzeitarbeitslose für den ers-ten Arbeitsmarkt fit machen.
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2 Kommentare
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 18.11.2014 | 12:18  
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Ronald Wilken aus Wilhelmsburg | 18.11.2014 | 16:07  
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