Keine Chance: Mit Rollstuhl Treppe rauf

Daniela de Bastos vorm Bett ihres schwerbehinderten Sohnes: Hier hat der Junge schon lange nicht mehr geschlafen, weil sie ihn nicht in die Wohnung bekam. Foto: pit

Saga zeigt Herz: Neue Wohnung für Mutter (36) mit schwerstbehindertem Kind – mit Aufzug im Haus

Daniela de Bastos hat einen Traum: eine größere Wohnung, möglichst im Erdgeschoss. Zwar hat die 36-Jährige eine schöne Wohnung in der Zeidlerstraße, doch die ist eng und liegt im ersten Stock. Das Problem: „Ich bekomme meinen Sohn nicht mehr die Treppen hoch“, erzählt sie. Der Siebenjährige ist schwerstbehindert und lebt im Pflegeheim. An den Wochenenden hat sie ihn immer nach Hause geholt – bis jetzt. „Noah ist zu schwer geworden, ich schaffe das einfach nicht mehr“, sagt sie betrübt.
Wegen eines Behandlungsfehlers litt Noah nach der Geburt an Sauerstoffmangel, eine Gehirnblutung und Organversagen waren die Folge. Der behinderte Junge hat spastische Anfälle, ist fast blind, kann nicht allein sitzen und wird künstlich ernährt. Mittlerweile wiegt er 30 Kilo, der wuchtige Therapierollstuhl noch einmal 60 Kilo – zu schwer für seine Mutter. „Selbst mit Hilfe ist das kaum zu schaffen“, erzählt sie. Hinzu kommt, dass ihre Wohnung zu klein und nicht behindertengerecht ist: Der Rollstuhl passt nicht ins enge Bad.
„Im letzten Jahr konnte ich Noah gar nicht mehr nach Hause holen, höchstens mal in den Schrebergarten meiner Eltern“, sagt sie traurig. Darunter leide auch ihre 13-jährige Tochter, die ihrem Bruder immer gerne Geschichten vorgelesen hat. Bekommt Noah das überhaupt mit? „Er reagiert auf bekannte Stimmen“, versichert Bastos.
Seit letztem Jahr ist sie auf Wohnungssuche – keine leichte Aufgabe bei der vorherrschenden Wohnungsnot. Ihrem Vermieter, der Wohnungsgesellschaft Saga, hat sie ihr Anliegen bereits geschildert – bislang ohne Erfolg. Immerhin: Für den Neubau im Weltquartier mit geräumigen Wohnungen ist sie vorgemerkt.
Auf Nachfrage des Wochenblatts scheint jetzt Bewegung in die Sache zu kommen. „Auf der heutigen Vergaberunde wurde entschieden, dass Frau de Bastos die gewünschte 4-Zimmer-Wohnung im Neubau bekommen kann, wenn sie denn mag“, sagt Saga-Sprecher Dr. Michael Ahrens. Ein kleines Haar in Suppe gibt es dennoch: Im Erdgeschoss stehen nur 2-Zimmer-Wohnungen zur Verfügung, doch dafür gibt es einen Aufzug im Haus.
„Wenn ein großer Fahrstuhl vorhanden ist, ziehe ich gerne auch in eine höhere Etage“, jubelt de Bastos vor Freude.

Weltquartier: Bis Mai soll alles vermietet sein
Vor zwei Wochen feierte die Saga im Gerd-Schwämmle-Weg Richtfest für die ersten 24 von insgesamt 265 öffentlich geförderten Wohnungen. Der Neubau gehört zum „Weltquartier“, einem Projekt der internationalen Bauausstellung (IBA). „Grundsätzlich werden die Wohnungen im Weltquartier immer zuerst sogenannten Rückziehern und Mietern angeboten, die noch von den Baumaßnahmen betroffen sind“, erklärt Saga-Sprecher Dr. Michael Ahrens.
Die Wohnungen im Gert-Schwämmle-Weg sind zwischen 39 und 84 Quadratmetern groß. Die Vermietung soll im Mai abgeschlossen sein.
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