Kein Zoll mehr – dafür mehr Verkehr

Am vergangenen Sonnabend wurde mit dem Abbau des Zollzauns begonnen.

Lkw können jetzt ungehindert durch Wohngebiete fahren

Große Worte waren am Sonnabend zu hören, als Bürgermeister Olaf Scholz persönlich in einem symbolischen Akt mit dem Abriss des Zollzauns begann. Vom „eisernen Vorhang Wilhelmsburgs“ war die Rede, der nun falle, von einer „Alster des Südens“ war zu hören, die jetzt endlich im Spreehafen- becken entstehen könne. So schön der Abriss des Zollzauns für die Lebensqualität auf den Elbinseln auch ist: Auf die Anwohner rollen durch den Wegfall der Zollgrenzen massive Verkehrsbelastungen zu.
Seit dem 1. Januar gehört der Freihafen nach 110 Jahren der Vergangenheit an. Damit ist nicht nur der Zollzaun überflüssig, sondern auch die Zollstationen an der Ernst-August-Schleuse und auf Veddeler Seite an der Tunnelstraße. Hier kann der Verkehr künftig ungebremst fließen – die bisherige Regulierung durch Lkw-Kontrollen entfällt. Damit sind vor allem die Anwohner des nördlichen Reiherstiegviertels, der Harburger Chaussee und der Veddel deutlich mehr Verkehr, Lärm und Abgasen ausgeliefert. Für den Veddeler Norden hat die Hamburg Port Authority (HPA) eine Verkehrsprognose erstellt, die eine Verfünffachung des Lkw-Verkehrs bis 2025 auf 12.850 Fahrzeuge am Tag voraussagt – das ist mehr Verkehr als aktuell auf den Elbbrücken.
„Die massive Verkehrszunahme muss anwohnerverträglich geregelt werden“, findet Liesel Amelingmeyer vom Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg. Der Verein, der sich jahrelang für die Öffnung des Zollzauns eingesetzt hat, fordert nun „kluge Sofortmaßnahmen“. Auch von anderer – prominenter – Seite aus wird Alarm geschlagen: Mehrere Anwohner, darunter Umweltsenatorin Herlind Gundelach, machen in einer gemeinsamen Stellungnahme auf die angespannte Verkehrslage aufmerksam und fordern „geeignete Maßnahmen, um die Wohngebiete vor unzumutbaren Belastungen zu schützen“. Konkret heißt das: Die Anschlussstelle HH-Veddel, die nach den Plänen der HPA ausgebaut werden soll, müsste in einem Tunnel durch den Veddeler Norden führen.
Um den Verkehrsstrom erträglich zu machen, hat sich die HPA eine Übergangslösung ausgedacht: Der Zollzaun am Veddeler Damm bleibt vorerst noch geschlossen.
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