Kein Waschhaus in Finkenriek

Mustafa Yasar (l.) und Bayram Inan setzen sich dafür ein, dass auf dem Friedhof Finkenriek ein muslimisches Waschhaus gebaut wird. Eine Grabfläche für Muslime gibt es bereits, dahinter wäre genug Platz für ein neues Gebäude, so Inan.

Muslime wollen Ort für rituelle Waschungen von Verstorbenen auf dem Friedhof – Bezirksamt Mitte: „kein Bedarf“

Auf den Friedhöfen in Ohlsdorf, Öjendorf und Bergedorf gibt es eines, in Wilhelmsburg wird es seit Jahren gefordert: ein muslimisches Waschhaus. In so einem Gebäude werden Verstorbene nach islamischem Ritus gewaschen und auf die Bestattung vorbereitet. Lokalpolitiker Bayram Inan (Grüne) kämpft seit 2010 für einen solchen Bau auf dem städ-tischen Friedhof Finkenriek. Denn immer mehr muslimische Einwanderer und ihre Familien wollen dort die letzte Ruhe finden, wo sie ihr Leben verbracht haben und nicht in der alten Heimat, weiß er. Ohne ein Waschhaus sei die Bestattung in Wilhelmsburg jedoch ein Problem. „Verstorbene müssen in Öjendorf oder Bergedorf gewaschen werden, das ist umständlich und teuer“, sagt Inan.
Auch dafür, dass es in Finkenriek überhaupt Gräber für Bestattungen nach islamischem Ritus gibt, hat sich Inan eingesetzt. „Das war ein großer Kampf. Es hat zwei Jahre gedauert“, erinnert er sich. 2006 war es soweit. Für das Waschhaus kämpfe er schon seit vier Jahren. „Der Bezirk hält uns hin“, kritisiert er. Schließlich habe der Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel schon 2010 einen Antrag dazu einstimmig – mit Enthaltung der CDU – beschlossen. 2011 stellte Inan den Antrag erneut. Die Antwort der Verwaltung: Für so ein Gebäude sei kein Geld da, außerdem bestehe kein Bedarf.
Nach Angaben des Bezirksamtes habe es in Finkenriek seit 2006 bis heute lediglich 25 muslimische Beisetzungen gegeben. „Aus fachlicher Sicht ist ein Waschhaus nach wie vor nicht notwendig, da die Bestatter in eigenen Räumlichkeiten die wenigen Waschungen vornehmen und eine Nachfrage nach einem Waschhaus nicht vorliegt. Auch eine Beschwerdelage liegt nicht vor“, sagt Bezirksamt-Sprecherin Sorina Weiland.
Dass es keinen Bedarf gibt, will Mustafa Yasar, Gründungsvorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde Kirchdorf und langjähriges Mitglied des Stadtteilbeirats, nicht gelten lassen. „In Wilhelmsburg leben gut 15.000 Muslime. Viele von ihnen möchten hier begraben werden“, sagt er.
Inan und Yasar kritisieren, dass der Bezirk kein Geld für den Bau ausgeben will. „Muslime zahlen auch Steuern“, sagt Inan. Zudem wären die Kosten für den benötigten etwa 50 Quadratmeter großen Bau mit Wasseranschluss und Strom mit etwa 70.000 Euro überschaubar, so Inan. Um den Betrieb würden sich die fünf islamischen Gemeinden der Elbinsel selbst kümmern.
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