Kein Geld für Geschichte

Der Bunker im Stadtteil Wilhelmsburg wird zum Energiebunker umgebaut. Eigentlich war hier auch ein integriertes Dokumentationszentrum geplant - das ist jetzt in Gefahr. Foto: ad

Scheitert die Einrichtung eines Dokumentationszentrums im Bunker am Geldmangel?

von Angela Dietz

Zur Zeit lässt die Internationale Bauausstellung (IBA) den Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg zu einer einzigartigen Produktionsstätte für erneuerbare Energien umbauen. Geplant war von Beginn an auch ein integriertes Dokumentationszentrum zur Geschichte des Bunkers. Das droht jetzt zu scheitern, weil es dafür kein Geld gibt.
„Die Finanzierung der laufenden Betriebskosten, etwa 100.000 Euro im Jahr ab 2014, können wir bei der aktuellen Haushaltslage nicht leisten“, sagt Stefan Nowicki, Sprecher der für Gedenkstätten zuständigen Kulturbehörde. Priorität habe zur Zeit die Errichtung eines Erinnerungsortes am Lohseplatz in der Hafencity, einem zentralen Deportationsplatz während der NS-Zeit.
Die IBA übernimmt keine dauerhaften Kosten nach dem Ausstellungsjahr 2013. Gespräche mit der Stiftung Historische Museen Hamburg oder dem Hamburger Institut für Sozialforschung verliefen ergebnislos. Gedacht ist seitens der IBA nun an eine Freiluftausstellung, die vom künftigen Betreiber eines Cafés im Bunker mitbetreut würde.
Margret Markert, Leiterin der Geschichtswerkstatt, in der über mehrere Jahre an der Ausstellungs-Konzeption gearbeitet worden war, hält von der Idee gar nichts. Die fachliche Betreuung des Dokumentationszentrums müsse gewährleistet werden, um den Erinnerungsort lebendig zu halten.
Weder die Geschichtswerkstatt noch die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die die Arbeit zum Konzept der Geschichtswerkstatt unterstützt hat, hätten die personellen Kapazitäten, diese Aufgabe zu schultern, so Markert. „Wir brauchen jemanden, der den Ort betreut, Gruppen begleitet und Sonderveranstaltungen entwickelt“, erläutert sie. Zeitgemäße Erinnerungsarbeit zur NS-Zeit sei mehr als bloßes Durchschleusen von Gruppen.
Margret Markert verweist zudem auf den Standort des Bunkers in unmittelbarer Nähe zu großen Industrieunternehmen und zum Hamburger Hafen. Wie an kaum einem anderen Ort zeigten sich hier die Zusammenhänge von Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft, Industrie und
Hafen.
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