Kahrs gibt auf

Johannes Kahrs gibt den Vorsitz ab, bleibt aber Mitglied des Jugendhilfeausschusses. Foto: pr

Nach Chantals Tod: Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses legt Amt nieder

von Christopher v. Savigny

Und noch ein prominenter Rücktritt im Zusammenhang mit dem Fall „Chantal“: Auch der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses im Bezirk Mitte, der einflussreiche Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs (SPD), legte Ende vergangener Woche sein Amt nieder. Kahrs war in die Kritik geraten, weil dem Jugendamt schwere Versäumnisse vorgeworfen worden waren. „Ich ziehe mich zurück, damit wir eine vernünftige Diskussion auf sachlicher Ebene hinkriegen“, sagt Kahrs, der den Ausschuss 18 Jahre lang geleitet hatte.
Die Opposition hatte diesen Schritt gefordert – am Ende ging er ihr jedoch nicht weit genug. „Nach endlosen Jahren der verkrusteten Strukturen von Begünstigungen von Parteifreunden besteht jetzt erstmals die Chance auf eine sachorientierte Bezirkspolitik in Hamburg-Mitte“, sagt Jörn Frommann, Fraktionschef der CDU. „Gelingen kann das aber nur, wenn Johannes Kahrs sich ganz aus dem Jugendhilfeausschuss zurückzieht. Es reicht nicht, den Vorsitz an einen Parteifreund abzugeben, und von einem anderen Platz aus so weiter zu machen wie bisher!“ Kahrs wird vorgeworfen, sich in seinem Umfeld ein regelrechtes Machtgefüge geschaffen zu haben – auch Schreiber gehört demnach zu den von ihm geförderten Politikern. Aber selbst diese Unterstützung reichte am Ende nicht mehr aus – und nun musste auch Kahrs seinen Sessel räumen.
Allerdings weist Kahrs den Vorwurf der Einflussnahme entschieden zurück. „Ich möchte nur daran erinnern, dass der Jugendhilfeausschuss ein Kollektivgremium ist. Und die große Mehrheit der Beschlüsse sind immer einstimmig gefasst worden, also mit der Zustimmung der anderen Fraktionen.“ Der Tod von Chantal sei zutiefst bedauerlich. „Ich finde es erstaunlich, dass Herr Frommann versucht, selbst diese Geschichte parteitaktisch zu instrumentalisieren.“
Über die neue Leitung des Jugendhilfeausschusses entscheidet die Bezirksversammlung auf einer ihrer nächsten Sitzungen. Bis dahin bleibt Kahrs kommissarisch im Amt.
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