Jetzt ist’s doch leiser am Katenweg

Aber die neue Holzwand an der Bahnstrecke zwischen Harburg und Wilhelmsburg
soll Anwohner vor der Baustelle und nicht vor dem Lärm der Züge schützen

Gute Nachrichten für die lärmgeplagten Bewohner des südlichen Katenwegs: Seit vergangenem Donnerstag steht zwischen ihren Häusern und der nur 20 Meter entfernten Bahnstrecke, über die täglich rund 800 Züge rollen, wieder eine Schutzwand – wenn auch nur eine provisorische aus Holz. Rattert ein Zug vorbei, messen Anwohner jetzt knapp 80 Dezibel in ihren Gärten, zuvor waren es 90 Dezibel. „Jetzt ist es fast erträglich“, sagt Alfred Lischewski erleichtert. Seine Nachbarn und er hatten durch die Lärmbelas-tung und den damit verbundenen Schlafmangel über Konzentrationsschwierigkeiten geklagt. Schon ab 65 Dezibel gilt Lärm als gesundheitsgefährdend.
Die Wand wurde aufgebaut, obwohl der Senat noch vor zwei Wochen auf eine Kleine Anfrage der Linken geantwortet hatte, dass es „angesichts der starken Sogwirkung vorbeifahrender Züge“ technisch nicht möglich sei, ein Provisorium aufzustellen. Die Bewohner des Katenwegs sollten dem Lärm ausgeliefert sein, bis im August die neue Lärmschutzwand gebaut würde. Auch die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), die die Arbeiten vor Ort ausführt, hatte eine provisorische Lärmschutzwand abgelehnt. Sie sei zu teuer und könnte nicht im laufenden Betrieb der Bahn eingesetzt werden.
Warum ging es jetzt also doch? „Bei den Wänden handelt es sich nicht um einen provisorischen Lärmschutz, sondern um einen Sichtschutz, der zum Schutz der Anwohner errichtet wurde. Dass er neben dem Sichtschutz auch einen gewissen Lärmschutz bietet, ist ein angenehmer Nebeneffekt“, stellt Deges-Sprecherin Etta Weiner klar. Die Konstruktion sei so leicht, dass für ihren Aufbau kein schweres Gerät und damit auch keine Sperrpause der Bahn nötig gewesen sei. Der Sichtschutz, der etwa 50.000 Euro gekostet hat, werde Mitte Juni wieder abgebaut. Kurios: An der Bahnstrecke auf Höhe Leipeltstraße und Schwentnerring, wo die Lärmschutzwand bereits im Oktober 2013 abgebaut wurde, ist kein Sichtschutz geplant.
Die Anwohner im Katenweg wurden weder über den Abbau der Lärmschutzwand im
Februar, noch über die aktuellen Arbeiten informiert und sind enttäuscht von den Behörden und der Deges. „Da wird von vorne bis hinten nur gelogen“, ärgert sich Alfred Lischewski und fügt hinzu: „Wir vermuten, dass nur aufgrund des öffentlichen Drucks etwas passiert ist.“ Über die unzumutbare Situation und den Protest der lärmgeplagten Wilhelmsburger war weit über Hamburgs Grenzen hinaus berichtet worden.
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