Jahresrückblick: Was war los auf den Elbinseln?

Der Zaun bleibt, heißt es im Januar aus dem Bezirksamt Mitte. Dieses Tor ist mittlerweile verschwunden, doch andere Teile des ehemaligen igs-Zauns um den Inselpark werden nicht abgebaut.
 
Im Februar wird bekannt, dass die katholische St. Maximilian Kolbe Kirche abgerissen werden soll. Im Dezember steht fest: Die Kirche wird für 900.000 Euro saniert und soll zukünftig als Kulturzentrum genutzt werden.
 
Da hilft nur noch Ohren zuhalten! Mit einer Yoga-Stunde im Katenweg demonstrierten die engagierte Wilhelmsburger und betroffene Anwohner im März gegen die abmontierte Lärmschutzwand an der viel befahrenen Bahnstrecke. (Foto: pr)
 
Für die Aktion der Stadtreinigung "Hamburg räumt auf" fischten Jugendliche vom Verein Gangway allerlei Müll aus dem Ernst-August-Kanal.

2014: Das war das Jahr

Januar:

❱❱ Das Bezirksamt will den Zaun um den neuen Wilhelmsburger Inselpark auf dem ehemaligen Gelände der Internationalen Gartenschau (igs) stehen lassen und sorgt damit für Knatsch. Der Park müsse nachts abgeschlossen werden, um teure igs-Anlagen vor Vandalismus zu schützen, heißt es. Viele Wilhelmsburger wollen sich das nicht gefallen lassen. Es wird heiß diskutiert, und am Ende gibt es einen Kompromiss: Nur Teile des Parks bleiben eingezäunt, eine Nord-Süd- und eine Ost-West-Verbindung bleiben 24 Stunden lang geöffnet.
❱❱ Ärger auf der Veddel: Der Imbiss am S-Bahnhof macht dicht und mit ihm verschwindet auch die einzige Post der Elbinsel. Erst Wochen später eröffnet die Post vor Ort eine neue Partnerfiliale – wieder in einem Imbiss. In der Zwischenzeit müssen die Inselbewohner nach Wilhelmsburg fahren, um Pakete zu verschicken oder Geld abzuheben.
❱❱ Jeden Tag rauschen rund 800 Züge an der Veddel vorbei. Für die Bewohner der Häuser entlang der Bahngleise ist der Lärm unerträglich. Die Bahn will eine Lärmschutz-wand bauen, doch erst 2016.

Februar:


❱❱ Der Wilhelmsburger Osten wird zu Hamburgs 36. Landschaftsschutzgebiet. Das Gebiet heißt „Wilhelmsburger Elbinsel“, ist 720 Hektar groß und zeichnet sich durch eine wertvolle Kulturlandschaft und große Artenvielfalt aus. 
❱❱ Matthias Bolle ist Ehrenamtler des Jahres 2013. Der Hamburger Fußballverband zeichnet den Trainer aus. Er engagiert sich seit vielen Jahren beim ESV Einigkeit. Wir gratulieren!
❱❱ Noch eine Auszeichung: Der Veddeler Verein „Get the Kick“ bekommt die Elbinselnadel für seine Jugendarbeit.
❱❱ Das Erzbistum Hamburg will die sanierungsbedürftige St. Maximilian Kolbe Kirche abreißen lassen. Denkmalschützer protes-tieren. Auch die Elbinselbewohner kämpfen für ihre „Klorolle“ – so wird der 70er Jahre Bau mit der spiralförmigen Konstruktion im Stadtteil liebevoll genannt. Mit Erfolg: Die Kirche bleibt stehen, auch wenn hier zukünftig keine Gottesdienste mehr gefeiert werden. Stattdessen wollen die Malteser, sie haben das angrenzende katholische Altenheim samt Kirche übernommen, das Gotteshaus zum Kulturzentrum umfunktionieren. Die Sanierungskosten von 900.000 Euro teilen sich Bund, Denkmalschutzamt, Erzbistum und Hamburger Stiftung Denkmalpflege.

März:

❱❱ Yoga gegen Krach: Mit Ohrenschützern bewaffnet meditieren rund 30 Menschen in einem Garten im Katenweg symbolisch den Lärm vorbeidonnernder Züge weg. Zuvor hatte die Baugesellschaft Deges die Lärmschutzwände im Auftrag der Stadt abmontiert – ohne Anwohner zu informieren oder Ersatz zu schaffen. Bis September sollen dort als Vorbereitung für die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße höhere Schutz-wände errichtet werden. So lange sind Anwohner Lärm von bis zu 90 Dezibel schutzlos ausgeliefert. Trotz zahlreicher Proteste gibt es keinen provisorischen Lärmschutz.
❱❱ Und noch einer Kirche droht der Abriss. Die evangelische Reiherstieg-Kirchengemeinde will den Standort in der Georg-Wilhelms-Straße aufgeben. Alle Gebäude – und damit auch die Paul-Gerhard-Kirche – sollen abgerissen werde, das Grundstück wird verkauft. Das Geld will die Gemeinde nutzen, um neben der Emmaus-Kirche ein neues Gemeindezentrum zu bauen.

April:

❱❱ Jugendliche des Vereins Gangway machen an Bord der Barkasse „Pauline“ bei der Aktion „Hamburg räumt“ mit. Sie fischen einen rostigen Einkaufswagen, einen alten Fernseher, Autoreifen und allerlei Müll aus dem Ernst-August-Kanal.
❱❱ Kahlschlag mitten in der Brutzeit der Vögel: Vermieter VHW lässt elf große Weiden im Dahlgrünring radikal beschneiden. Anwohner sind schockiert und berichten, dass in den Bäumen Vögel und Eichhörnchen genistet haben. Der Vermieter weist alle Vorwürfe zurück. Auch das Bezirksamt Mitte, das eine Sondergenehmigung für die Arbeiten erteilt hatte, winkt ab.
❱❱ Drama im Heuckenlock: Als ein Sturm über die Elbinseln fegt, krachen im Naturschutzgebiet in Moorwerder mehrere Bäume um, darunter eine Pappel, in der sich Wilhelmsburgs einziges Seeadlerpaar ein Nest gebaut hat. Die kurz zuvor geschlüpften Adlerküken stürzen ins Wasser und ertrinken. (Foto: T. Demuth/
www.natur-in-hamburg.de)
❱❱ Zwölf Vereine, Institutionen und Firmen gründen die ParkSport Genossenschaft „Sportinsel“. Ziel ist es, gemeinsam neue Sportangebote im Park zu schaffen.

Mai:

❱❱ Ihnen stinkt’s: Anwohner laufen Sturm gegen ein Pissoir auf dem Stübenplatz. Sie haben die Nase voll von dem Gestank, den sie auch in ihren umliegenden Wohnungen riechen. Ihr Protest bleibt folgenlos: Das Bezirksamt will das Klohäuschen nicht abbauen. Dann würde wieder mehr gegen Hauswände uriniert, ist man sicher.
❱❱ Ab sofort gilt in der Harburger Chaussee nachts Tempo 30. Mit dem Geschwindigkeitslimit wollen die Behörden die lärmgeplagte Anwohner entlasten. Täglich rollen 17.300 Fahrzeuge über die Straße, 31 Prozent davon sind Lkw.
❱❱ Der Katholische Schulverband Hamburg will 7,3 Millionen Euro in Neubauten für die Bonifatiusschule investieren. Bis 2017 werden eine Mensa, eine Sporthalle, ein großes Kita-Gebäude und zusätzliche Klassenräume gebaut.
❱❱ Bezirkswahlen: Die SPD verliert stark, bleibt aber stärkste Partei (36,9 Prozent) im Bezirk Mitte. Die Grünen (18,1 Prozent) holen die CDU (18,5 Prozent) fast ein. Die FDP scheitert an der Drei-Prozent-Hürde. Kesbana Klein (SPD) aus Kirchdorf-Süd, wird als erste Frau mit Kopftuch in die Bezirksversammlung gewählt.

Juni:

❱❱ Bis November verwandelt das Kunstprojekt „Rialto, Rialto“ die zugenagelte Fassade des leerstehenden Kinos im Vogelhüttendeich in eine Open-Air-Galerie. Den Auftakt macht das Duo „Kroko“. Die beiden Künstler verfremden alte Skulpturen in öffentlichen Parks, fotografieren sie und stellen die ironischen Bilder dann aus.
❱❱ Das Musik-Festival „48h Wilhelmsburg“ wird mit dem Stadtteilkulturpreis 2014 ausgezeichnet. Die Organisatoren freuen sich über 10.000 Euro Preisgeld. Während des Musikfestes sind in diesem Jahr 162 Acts an 80 Orten aufgetreten.
❱❱ Weltmeisterschaft in Brasilien, ganz Deutschland ist im Fußballfieber. Dass zwei Wilhelmsburgerinnen in Kanada auch um den Weltmeistertitel kämpfen, wissen nur wenige. Die Rollstuhlbas-ketballerinnen Edina Müller (Foto, l.) und Maya Lindholm holen mit ihrem Team Silber.

Juli:

❱❱ Seit 20 Jahren ist das Freizeithaus Kirchdorf (Foto) am Rande der Hochhaussiedlung das erweiterte Wohnzimmer der Quartiersbewohner. Zum runden Geburtstag gibt es ein großen Fest.
❱❱ Ab sofort kostet das Parken im Park+Ride-Haus am S-Bahnhof Veddel Geld. Wer einen der rund 700 Plätze auf nutzen möchte, um auf S-Bahn oder Busse umzusteigen, muss ab sofort zwei Euro pro Tag zahlen. Alternativ ist es möglich, ein Monatsticket für 20 Euro oder ein Jahresticket für 200 Euro zu kaufen. Die Folge: Gähnende Leere in dem achtstöckigen Parkhaus.
❱❱ MS Reiherstieg Ahoi! An den Landungsbrücken feiert die Hadag die Taufe ihres neuesten Flachschiffs, das ab sofort auf der Linie 73 zwischen St. Pauli und der Elbinsel eingesetzt wird. Dirk Holm aus Wilhelmsburg ließ sich die Jungfernfahrt seiner Reiherstieg nicht entgehen. Er war einem Aufruf im Wochenblatt gefolgt und hatte einen Namensvorschlag für das Schiff geschickt.
❱❱ Der Sportpreis der Bezirksversammlung geht an die Kick-erinnen vom 1. Frauen Fußball-Club Elbinsel Wilhelmsburg.

August:

❱❱ Jörg Selingers (Foto rechts) strahlt vor Stolz: Der Wilhelmsburger züchtet einen Endiviensalat, der 1,18 Meter hoch wächst. Auch seine Familie freut sich: Für sie zaubert der Hobbygärtner viele leckere Salate aus der Pflanze.
❱❱ Die Bücherhalle Wilhelmsburg feiert ihren 111. Geburtstag mit einer literarischen Reise durch ihre Geschichte.
❱❱ Auf den Elbinseln werden 605 Mädchen und Jungen eingeschult.
❱❱ Besucherrekord beim achten Dockville-Festival: Am Reiherstiegknie treten drei Tage lang über 130 Bands vor 25.000
Festival-Besuchern auf.
❱❱ Ärgerlich: Noch vor der offiziellen Eröffnung stehlen und zerstören Unbekannte Bänke vor der Willi Villa im Inselpark.
❱❱ Wilhelmsburg hat einen neuen Polizeichef: Ab sofort leitet Olaf Sobotta (49) das örtliche Polizeirevier.

September:

❱❱ Die Wilde 13 kommt ins Theater. Nach dem großen Erfolg des Films bringt das Thalia Theater in der Gaußstraße die Geschichte um Wilhelmsburgs wichtigste Buslinie auf die Bühne.
❱❱ Viel Lärm um nichts: Nur wenige Wochen nachdem er in eine Saga-Wohnung in der Rotenhäuser Straße gezogen ist, verlässt Wilhelmsburgs wohl umstrittenster Neubürger, Pierre Vogel (Foto), die Elbinsel wieder. Laut Verfassungsschutz habe der Salafis-ten-Prediger Schwierigkeiten gehabt, in der Hamburger Szene Fuß zu fassen.
❱❱ Erstes Repair-Café in Wilhelmsburg: Wer kaputte Geräte nicht wegschmeißen möchte, kann sie im Nachbarschaftstreff Westend ab sofort unter fachkundiger Hilfe reparieren.
❱❱ Weil es in Hamburg viel zu wenige Plätze für Flüchtlinge gibt, haben die Innen- und Sozialbehörde per Sofortprogramm neue Unterkünfte eingerichtet. 300 Asylsuchende werden in der leerstehenden Schule am Karl-Arnold-Ring untergebracht. Eine weitere sogenannte Erstaufnahme wird in der Dratelnstraße eingerichtet. Im November ziehen 120 Flüchtlinge in ein Containerdorf im Kurdamm, in der Sanitasstraße sollen 2015 weitere Unterkünfte entstehen.

Oktober:

❱❱ Die Wilhelmsburger krempeln die Ärmel hoch und eröffnen eine Kleiderkammer für Flüchtlinge in Kirchdorf-Süd. Betrieben wird die Einrichtung von der Initiative „Die Insel hilft“, die die Arbeit von rund 70 ehrenamtlichen Helfern koordiniert.
❱❱ Rund drei Wochen lang verwandelt das Schauspielhaus die Veddel in eine Bühne. Das Festival „New Hamburg
loves Veddel“ lädt zu Theatervorführungen, Konzerten, Vorträgen und Workshops ein. Viele der Projekte haben die Theaterschaffenden gemeinsam mit Bewohnern entwickelt – so wie das Stück „Die Insel“ (Foto: Christian Bartsch). Mittelpunkt des Festivals ist die umgestaltete Immanuelkirche.
❱❱ Seit 25 Jahren lernen Mädchen bei den Berufsfindungstagen in der Honigfabrik technische und gewerbliche Berufe kennen. Um die Finanzierung bangen die Organisatoren dennoch jedes Jahr. Für 2015 steht zumindest die Hälfte des Budgets: Nach einem Bericht im Wochenblatt meldet sich eine Stiftung, die 2.500 Euro spenden will.
❱❱ Bauunternehmer Konrad Grevenkamp kauft einen Altbau in der Mokrystraße und das angrenzende Rialto-Kino im Vogelhüttendeich. Er will den Altbau sanieren und an ein Wohnprojekt vermieten. Für das Kino sucht er einen geeigneten Pächter.

November:

❱❱ Der gemeinnützige Träger Weltwissen eröffnet die erste Kita in Georgswerder. In dem sanierten ehemaligen Wohnhaus und einem Anbau mit insgesamt 300 Quadratmetern Fläche können bis zu 45 Kinder betreut werden.
❱❱ Während der 11. Wilhelmsburger Lesewoche dreht sich auf der Elbinsel wieder alles um Bücher. Organisiert wird die Veranstaltung, an der jedes Jahr tausende Kita- und Grundschulkinder teilnehmen, vom Forum Bildung Wilhelmsburg. Kurz vorher bangen die Organisatoren um den Fortbestand der Lesewoche, denn die Schulbehörde will die Finanzierung streichen.Es gibt Protest, dann schließlich Entwarnung.
❱❱ Das Oberverwaltungsgericht lehnt zwei Eilanträge gegen die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße ab. Auch wenn noch mehrere Klagen offen sind, können die Bagger für das umstrittene Verkehrsprojekt jetzt rollen.
❱❱ Der Bezirk Mitte zeichnet zwei Wilhelmsburger Projekte aus. Das interkulturelle Wohnprojekt „Veringeck“ und der Verein „Sport ohne Grenzen“ bekommen den Bürgerpreis.

Dezember:

❱❱ Menschen! Ob alt oder jung, Punk oder Politiker – sie stehen im Mittelpunkt von allem, was das Wochenblatt schreibt. Das war 2014 so und wird 2015 auch so sein. Versprochen!
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