Inselpark wird zum Freiluftklo

Gebrauchtes Toilettenpapier soweit das Auge reicht: Roswitha Wieczorek ärgert sich über die Hinterlassenschaften ihrer Mitmenschen. (Foto: Christopher von Savigny)

Kuckuckshorn: Weil es keine öffentliche Toiletten gibt, verrichten Spielplatzbesucher ihre Notdurft im Grünen

von Ch..v. Savigny, Wilhelmsburg

Rund um den Spielplatz Kuck-uckshorn stinkt es zum Himmel: Gebrauchtes Toilettenpapier liegt in großen Mengen zwischen den Büschen. Der ausgetretene Trampelpfad beweist, dass hier in letzter Zeit etliche Menschen auf der Suche nach einem stillen Örtchen waren. „Vor ein paar Wochen haben sie sogar noch bei uns gegen die Hauswand gepinkelt“, berichtet Anwohnerin Roswitha Wieczorek. Inzwischen sind die Klogänger immerhin ins Grüne ausgewichen. Doch auch dort sorgen die übelriechenden Hinterlassenschaften verständlicherweise für Ärger. „Ich verstehe nicht, warum man die Klohäuschen abgebaut hat“, sagt sie. „In einem öffentlichen Park muss es doch irgendwo Toiletten geben?“
Mit seiner Seilbahn und den großen Rutschen und Schaukeln zählt der Spielplatz Kuckuckshorn zu den größten und
schönsten seiner Art im Inselpark. Insbesondere am Wochenende pilgern ganze Heerscharen von Familien auf das ehemalige Gelände der Internationalen Gartenschau (igs).
Früher standen an der Stelle WC-Container – jetzt nicht mehr: „Die Toilette wurde abgebaut, da die igs beendet ist und nun der Bezirk die Parkanlage verwaltet“, sagt Norman Cordes, Sprecher des Bezirksamts Mitte. Der Bezirk unterhalte derzeit keine öffentlichen Toiletten auf Spielplätzen. Allerdings sei die Problematik vor Ort bekannt. „Wir überlegen, wieder eine Toilette zu errichten“, so Cordes. Dies sei letzten Endes eine Kostenfrage.
Behördliche Vorschriften darüber, wie viele „Bedürfnisanstalten“ – so der behördendeutsche Begriff – ein Stadtbezirk braucht, gibt es nicht. Interessant: Die Internetseite der Stadt Hamburg (www.hamburg.de) verzeichnet exakt 111 öffentliche WCs für die Hansestadt – nur zwei davon befinden sich laut Liste in Wilhelmsburg (am Stübenplatz und am S-Bahnhof). Noch nicht verzeichnet ist der neue Kiosk „Willi Villa“ am Kuckucksteich, der ebenfalls eine öffentliche Toilette betreibt. Zwar auch auf Ex-Gartenschau-Gelände, aber für Spielplatzbesucher trotzdem zu weit weg. „Das sind bestimmt 800 Meter“, schätzt Wieczorek. Außerdem müsse man über eine Brücke der Wilhelmsburger Reichsstraße. „Da trauen sich Kinder allein nicht rüber!“, sagt sie.
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1 Kommentar
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Michael Rothschuh aus Wilhelmsburg | 19.09.2014 | 08:04  
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