„Im vorgezogenen Unruhestand“

Dr. Wolfgang Dehoust vor dem Ambulatorium Groß-Sand. Trotz seines Abschieds wird sich der Chirurg und Orthopäde nicht zur Ruhe setzen. Foto: tsilis

Unfallchirurg und Orthopäde Dr. Dehoust hört auf – 
Groß-Sand übernimmt die Praxis

Von Andreas Tsilis.

Ein Arzt für gelbe Scheine war Dr. Wolfgang Dehoust nie. Zu dick auftragende Simulanten setzte er schon mal kurzerhand vor die Tür. Nun ist er selber nach 27 Jahren gegangen. Dehoust hat seine Praxis an das Krankenhaus Groß-Sand verkauft und geht nach eigenen Worten in den „vorgezogenen Unruhestand“.
Doc Dehoust hört auf? Mancher Wilhelmsburger wird das nur schweren Herzens zur Kenntnis nehmen. Denn der
Unfallschirurg und Orthopäde war kein typischer Arzt. „Operieren ist das eine“, sagt Dehoust, „die ganzheitliche Betrachtung eines Patienten ‘was ganz anderes.“
Statt das Skalpell anzusetzen, riet er einem Patienten einmal, „das ehrliche Gespräch mit dem Chef zu suchen.“ Damit lag er goldrichtig, und es scheint nicht nur in diesem Fall so, als ob Wolfgang Dehoust den Menschen bis auf den Grund der Seele schaute.
Ob krank oder weniger krank, nicht nur Elbinsulaner rannten ihm die Bude ein. Als ein weltbekannter Konzern in wirtschaftliche Schieflage geriet, wusste es Dehoust als einer der ersten: „Viele kamen damals mit denselben Symptomen von ein und derselben Krankenkasse zu mir.“ Den Rest reimte er sich zusammen.

Nicht immer einfach,
aber direkt

Leistenbrüche, Knie, Krampfadern, Hände, Füße – unzählige Operationen hat Dehoust durchgeführt. Manch kleinere Sache machte er umsonst oder für kaum mehr als ein gutes Abendessen beim Lieblingsitaliener „Enzo“ in der Fährstraße. „Man muss dem Menschen dienen“, sagt Dehoust.
Der Verdienst stand nach seinen Worten nie im Vordergrund, das Leben sollte nur auskömmlich sein. Für einen Porsche hat es trotzdem gereicht. Sein Modell ist, wen wundert´s, für einen Arzt eher ungewöhnlich: ein 14 PS-„Volksschlepper“, auch Traktor genannt, Baujahr 1956. Die größte Ehre für Dehoust ist, dass man ihn so nahm wie er ist. „Nicht immer einfach, aber direkt“.
Seine Praxis in der Grotestraße wird nun als Teil des medizinischen Versorgungszentrums Groß-Sand fortgeführt.
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