Von Mexiko City auf die Veddel: Rahel Bruns. (Foto: Henning Pfeifer)
Rahel Bruns (32) ist Veddels neue Quartierskünstlerin
von Henning Pfeifer, Veddel Die Veddel hat eine neue Quartierskünstlerin: Rahel Bruns (32) wird die nächsten zwei Jahre im Wohnatelier neben dem Kulturzentrum „Sporthalle Veddel“, Am Zollhafen 5 a, leben und arbeiten. „Ich freue mich darauf, die Menschen hier auf der Veddel kennenzulernen“, sagt die Mutter einer vierjährigen Tochter, die auch mit einzieht. Die von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Saga finanzierte „Stiftung Nachbarschaft“ vergibt das Stipendium bereits seit 2007. Der Quartierskünstler muss keine Miete für das Wohnatelier zahlen und wird monatlich mit 800 Euro unterstützt. Ziel des Projektes ist es, die Lebensqualität und die Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil zu stärken. „An der Veddel faszinieren mich die Gegensätze: In der Vergangenheit ist es ein Auswanderungsstadtteil gewesen, heute ist es ein Einwanderungsstadtteil. Auch die Gleichförmigkeit der Schumacherschen Architektur der zwanziger Jahre und die Unterschiedlichkeit der Bewohner ist so ein Gegensatz“, sagt Bruns. Mit ihrer Arbeit möchte sie das Zusammenleben der verschiedenen Gruppen auf der Veddel fördern, denn: „Bei Rassismus werde ich leidenschaftlich wütend.“ Mit dem Thema „In der Fremde leben“ hat die Künstlerin bereits Erfahrung, da sie eine Zeit lang in Mexiko-City gelebt hat. Sie selber beschreibt ihren Stil als „inhaltliche Komponente mit gleichzeitiger formaler Verführung“. Im Besucherraum ihres Ateliers kann man ihre Arbeiten ansehen. Es sind dort etwa aus Blech gestanzte Bundesadler zu sehen, die von ihr zu dreidimensionalen Skulpturen gebogen wurden. Auch einen Hochsitz, wie ihn Jäger benutzen, hat sie gebaut. „Der Hochsitz ist ein Ort der Beobachtung. Die Frage ist aber: Wer beobachtet wen? Der Künstler die Bewohner auf der Veddel, oder verhält es sich in Wahrheit genau andersherum?“, fragt Bruns. Was sie für die nächsten zwei Jahre als Arbeit geplant hat, möchte sie aber nicht verraten: „Das ist wie bei einem Buchautor. Der verrät ja auch nicht, was in seinem nächsten Buch steht“, sagt sie mit einem geheimnisvollen Lächeln.
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