„Ich will schnell Deutsch lernen“

Rami Mdah lebt seit vier Monaten im Karl-Arnold-Ring und besucht die Deutschkurse.

In der ehemaligen Schule Karl-Arnold-Ring bekommen Flüchtlinge Unterricht

Rami Mdah schaut konzentriert auf die Tafel und schreibt in sein Notizbuch. Der 32-Jährige Syrer sitzt gemeinsam mit 15 Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft Karl-Arnold-Ring in einem der Klassenräume der ehemaligen Ganztagsförderschule. Wo früher Kinder die Schulbank drückten, pauken jetzt Flüchtlinge aus Bosnien, Kosovo, Mazedonien, Syrien, Somalia, Eritrea, Iran, Afghanistan und vielen anderen Ländern Grammatik. Jede Woche kommen acht Ehrenamtliche des Vereins „Die Insel hilft“ und zwei Honorarkräfte in die Einrichtung, um dort Kurse für die rund 200 erwachsenen Bewohner zu geben. Angeboten werden Deutschstunden für Anfänger oder Fortgeschrittene, zwei Kurse für Frauen und ein Alphabetisierungskurs. Kinder werden seit ein paar Wochen von Lehrern der Stadtteilschule Stübenhofer Weg getrennt unterrichtet.
„Ich will schnell Deutsch lernen, um Arbeit zu suchen und ein Leben in Sicherheit aufzubauen“, sagt Rami Mdah. Noch geht es ohne Englisch nicht. Der Syrer kam vor vier Monaten nach Hamburg. Seine Frau, sein zweijähriger Sohn und seine dreijährige Tochter blieben zurück. Er hofft, dass seine Familie bald nachkommen kann.
Durch den Deutschunterricht hat der junge Mann Federico Gillessen kennengelernt. Der pensionierte Kürschnermeister aus Kirchdorf-Süd gibt seit Ok-tober zwei Mal die Woche Kurse in der Unterkunft. Aus der ehrenamtlichen Arbeit wurde schnell ein Job. Mittlerweile unterrichtet Gillessen, der schon Erfahrung mit Sprachunterricht besitzt, acht Stunden die Woche. Das Deutsche Rote Kreuz, das die Unterkunft leitet, zahlt ihm ein Honorar dafür.
Für Rami Mdah ist Gillessen viel mehr als nur ein Lehrer. „Er ist Vater, Bruder, Freund und Therapeut für mich“, sagt Mdah. Und seine Verbindung zur Welt außerhalb der Unterkunft: Gillessen und seine Frau luden Mdah am zweiten Weihnachtstag zu sich nach Hause ein, nahmen ihn mit ins Konzert. „Wir brauchen mehr Leute, die Flüchtlingen zeigen, wie das Leben hier ist“, sagt der 68-Jährige. Nur so sei Integration möglich.
„Die Insel hilft“ sucht weiter ehrenamtliche Lehrer. Wer Lust hat, sich einzuarbeiten und zu unterrichten, kann an deutschkurs@inselhilfe.org schreiben. Besonders Menschen, die arabisch, farsi oder albanisch sprechen, werden gebraucht. Neben den Kursen im Karl-Arnold-Ring geben die Ehrenamtlichen auch Flüchtlingen aus der Unterkunft Dratelnstraße Unterricht. Diese Kurse finden zurzeit in der Bücherhalle Kirchdorf statt.


Wer spendet Lehrbücher?
Für den Deutschunterricht in den beiden Erstaufnahmen Karl-Arnold-Ring und Dratelnstraße werden noch Lehr- und Wörterbücher benötigt. Da Asylbewerbern kein Sprachunterricht finanziert wird, bittet der Verein „Die Insel hilft“ um Spenden für die Lehrmaterialien. So funktioniert es: Spender können über die Buchhandlung Lüdemann, Fährstraße 26, Bücher kaufen, die dann paketweise zuerst an „Die Insel hilft“ und dann an die Kursteilnehmer weitergegeben werden. Nähere Infos gibt es bei Lüdemann unter Tel. 753 13 53.
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