Holzhändler mit Leib und Seele

Peter Eick verkauft Holz in Hülle und Fülle. Abnehmer sind Superreiche und Otto Normalverbraucher. Foto: Andreas Tsilis

Wilhelmsburger Traditionsbetrieb „Alfred Neumann“
wurde 1910 gegründet

Von Andreas Tsilis.
1910 starb Wilhelm Karl Raabe, ein deutscher Schriftsteller, der den Wald liebte. Im selben Jahr gründete Alfred Neumann in Wilhelmsburg seine Holzhandlung. Heute erzählt Peter Eick, Geschäftsführer in fünfter Generation bei „Alfred Neumann“, dass er das Holz von Raabes Lieblingseiche erworben hat. „Vielleicht baut sich jemand daraus ein schönes Möbel“, spekuliert Eick.
„Holz ist Leben“ - das sagt der Holzliebhaber öfter, wenn er diese und andere Geschichten zum Besten gibt. Ihm kam es nie in den Sinn, mit anderen Werkstoffen zu arbeiten. „Stahl oder Beton bieten keinen Stoff für Geschichten“, sagt er.
Einmalige Erinnerungen an das Holzunternehmen hat auch mancher Wilhelmsburger Laubenpieper. Einige hätten noch Holz, das bei der Sturmflut 1962 verlorenging, im Garten liegen, berichtet Eick. „Deswegen werden wir aber keine Anzeige erstatten“, schmunzelt der Firmenchef. Nachdenklich wird Eick, der in Rosenheim Holzwirtschaft studierte, wenn es ums Geschäft geht.
Der Holzmarkt habe sich verändert, resümiert er. Großhändler dominierten, wie im Lebensmittelbereich, den Markt. Um Erfolg zu haben, müsse man eine Nische besetzen. Eick hat keine Filialen. Bei ihm bekommen Superreiche mit Superjachten und Otto-Normalverbraucher genau das, was sie brauchen. Seine Firma kennt man auf der ganzen Welt, aber Wilhelmsburger kommen seltener auf den Betriebshof in der Wilmansstraße 26.
Woran mag das liegen? Eick rätselt kurz, um dann eine Insulaner-Geschichte zu erzählen: Ein älterer Herr käme öfter per Fahrrad und nehme immer nur eine Dachlatte für 4,95 Euro mit. „Das ist zwar nicht unser Kerngeschäft“, lacht Eick, „aber es ist okay.“ Kürzlich feierte sein Vater seine 65jährige Betriebszugehörigkeit, bald soll auch sein Sohn einsteigen. „Freiwillig geht hier niemand“, sagt Peter Eick, der damit auch alle Mitarbeiter meint. Manche sind schon 40 Jahre dabei. So ist das, wenn die Arbeit mit Holz zur Lebensaufgabe wird.
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