Hier ist alles noch reine Handarbeit

Christian Wrage ist „die Hand an der Schleuse“. Foto: tsilis

Christian Wrage kümmert sich um
die Schleuse am Veringkanal

Von Andreas Tsilis.
Sechs Jahre mähte Schleusenwart Christian Wrage den Rasen selber, dann hatte er die Nase voll. Nun sorgen seine Heidschnucken „Stiga“, „Sabo“ und „Gutbrod“ für einen ordentlichen Rasenschnitt an der Böschung der Schleuse am Veringkanal. „Die Viecher kommen mit ihrem Allradantrieb überall hin“, schmunzelt Wrage.
Die nordischen Kurzschwanzschafe, deren Namen an Rasenmähermarken erinnern, sind nicht die einzigen, die richtig anpacken müssen. Auch Wrage muss bei Schleusungen einen Schlag reinhauen, um die schweren Stemmtore mit einem kiloschweren Eichenstab aufzudrehen. Das kommt pro Jahr zwar nur noch zehn bis zwanzig Mal vor, dennoch fordert Hamburgs letzte handbetriebene Schleuse immer noch den ganzen Mann.

Schleuse ist ein
Kulturdenkmal

Gefordert ist Wrage auch bei einem dicken Problem, dem Müll. Es vergeht keine Schicht, in der er nicht irgendwas herausfischt, was nicht ins Wasser hineingehört. Im Lauf der Jahre zog er vom Fladenbrot bis zum Sofa so ziemlich alles aus dem Kanal. „Eigentlich könnte das hier ein schönes Stück Natur sein“, klagt Wrage.
Sonnenanbeter sahen das genauso und machten sich an der Schleuse breit. Doch seitdem die Heidschnucken dort grasen und auch ihr Geschäft verrichten, ist dieser Spuk vorbei. Wrage kommt das nicht ungelegen. „Zuviele ließen ihren Müll hier liegen.“
Das Problem mit den Umweltfrevlern hat er dadurch aber nicht lösen können. Letztes Jahr barg ein Taucher Autoreifen, die die Sturmfluttore blockierten. „Der Einsatz kostete mal eben 2.500 Euro“, sagt Wrage. Manches Jahr kommen Taucher auch zwei Mal. Rechnet man die Einnahmen aus den Schleusungen dagegen, ist der Betrieb der 119 Jahr alten Schleuse wohl ein dickes Minusgeschäft: Mindestens 25 Euro müssen Barkassen und Sportbootfahrer je Schleusenvorgang blechen, selbst bei großzügiger Auslegung dürften unterm Strich jährlich nicht mehr als 2.000 Euro an Gebühren eingefahren werden. Geld hin, Geld her, die Schleuse ist ein Kulturdenkmal, das nicht von der „Wassergenossenschaft der Anlieger des
Veringkanals auf Wilhelmsburg“ gemanagt wird.
Und die Genossen lassen den Schleusenbetrieb nicht absaufen, solange sich das noch halbwegs finanzieren lässt. Das ist so wie mit Wrages Heidschnucken. Die sind ebenfalls sehr bescheiden und ins Wasser fallen die auf keinen Fall.
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