Hier is(s)t keiner allein

Die Freundinnen und Gemeindemitglieder Sabrina Borg (l.) und Claudia Kruse-Obileken freuen sich, dass sie dienstags nicht kochen müssen. Foto: sd

Nicht nur zur Weihnachtszeit: Kirche lädt immer dienstags zum „Veddeler Abendbrot“

von Sabine Deh

Ich werde das Weihnachtsfest alleine in meiner kleinen Wohnung verbringen“, erzählt Steffen Mitte. Der 46-Jährige ist wegen verschiedener Krankheiten arbeitsunfähig. Der Hartz IV-Empfänger ist einer von rund 20 Veddelern, die regelmäßig zum „Veddeler Abendbrot“ kommen, einem Essen, das die Kirche jeden Dienstag im Gemeindehaus an der Wilhelmsburger Straße anbietet.
Ein von Kinderhand gemalter Tannenbaum und ein schlichtes Adventsgesteck auf dem Tisch sorgen für ein wenig vorweihnachtliche Atmosphäre in dem ansonsten tristen Gemeindesaal. „Zum Veddeler Abendbrot kommen Bedürftige, Obdachlose, alleinstehende Senioren und Gemeindemitglieder“, erzählt Pastor Ulfert Sterz, während er den Tisch deckt. Der 44-Jährige hat alle Hände voll zu tun. Die wenigen ehrenamtlichen Helfer, die dem Pastor sonst zur Hand gehen, sind an diesem Tag verhindert, weshalb er seine Frau samt dem Neugeborenen kurz alleine lassen muss, um sich um seine Schäfchen zu kümmern. Nur Günter Weißenbach ist pünktlich erschienen und hilft Ulfert Sterz bei den Vorbereitungen.
Der 48-jährige Zollbeamte aus Rothenburgsort kommt jeden Dienstag, wenn sein Dienst es zulässt. „Die meisten von uns jammern auf hohem Niveau, dass wird mir immer klarer, seitdem ich hier helfe“, sagt er. Ihm selbst gehe es gut, daher halte er es für seine Pflicht, etwas Nächstenliebe zu spenden – nicht nur zur Weihnachtszeit. Freundlich verteilt er Spaghetti Bolognese und weist darauf hin, dass es Mandarinenquark zum Nachtisch gibt. Sabrina Borg (41) und ihre Freundin Claudia Kruse-Obileken (32) kommen mit ihren Kindern oft und gern zum Veddeler Abendbrot. „Das Essen ist gut und günstig, außerdem muss ich an diesen Tagen nicht kochen“, freut sich Sabrina Borg. Bernhard Carrie hat auf der Veddel einen kleinen PC-Laden. „Die Geschäfte laufen schlecht“, erzählt der 37-Jährige. In seinem Portemonnaie herrsche darum eigentlich ständig Ebbe, genau wie bei Steffen Mitte. Wenn die beiden alleinstehenden Männer einen Weihnachtswunsch frei hätten, würde sich Carry wünschen, dass seine Geschäfte wieder besser laufen. Steffen Mitte könnte der Weihnachtsmann mit einer knusprig gebratenen Ente glücklich machen. „Doch das wird leider ein Traum bleiben“, so der einsame Mann.
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