Hier fliegen die Fäuste

Erfinder unter sich: Betreuerin Veronika Mercks mit den Achtklässlern aus ihrem Kurs. Die beteiligten Schüler der 7. Klassen konnten nicht zum Fototermin kommen. Foto: cvs

Erfinder bauen „Wut-Box“ im
Nachmittagskurs der Bonifatiusschule – Ziel: mehr Respekt im Stadtteil

Von Ch. v. Savigny.
Der Prototyp ist aus brauner Pappe und hat einen aufgemalten Münzschlitz für ein 20-Cent-Stück. Gleich daneben prangt eine große, hellblaue Fläche mit der unmissverständlichen Aufforderung „Schlag mich!“. Au Backe, hier geht's rund! Hier dürfen Fäuste fliegen, ganz legal und ohne dass einer „Aua“ schreit. Und das beste daran ist: Nachdem man seine Wut an dem Apparat abreagiert hat, bekommt man ein Stück Schokolade geschenkt. Herrlich! Besser geht's nicht, oder?
Ausgedacht hat sich die sogenannte „Anger Box“ eine Schülergruppe der „Wilhelmsburger ErfinderInnen“. Dabei handelt es sich um einen freiwilligen Nachmittagskurs, der seit Beginn des Schuljahrs auf dem Lehrplan der Bonifatiusschule steht. „Wir wollen die Wilhelmsburger zu einem respektvolleren Umgang miteinander aufrufen“, erklärt Joana (14) die Grundidee der Schüler. So ist man unter anderem auf die Wutabbau-Thematik gekommen. Im Test sei der Apparat jedenfalls prima bei den Anwohnern angekommen, sagen die Siebt- und Achtklässler.
Der Wilhelmsburger „Erfinderkurs“ ist wiederum eine Erfindung von Veronika Mercks, die zurzeit als „Teach First Fellow“ an der Bonifatiusschule unterrichtet. Das Programm „Teach First“ wird von einer gemeinnützigen Bildungsinitiative unterstützt, die jeweils zweijährige Lehramtsstipendien für sozial benachteiligte Stadtteile in ganz Deutschland vergibt.

Höflichkeits-App
fürs Smartphone


Mercks hat Interkulturelle Kommunikation studiert und liebt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Ich möchte Schüler ermutigen und ihren sozialen Unternehmergeist wecken“, sagt Mercks. „Dabei ist es wichtig, dass die Schüler auch mal raus- kommen und nicht immer in der Bude hocken.“
Kein Wunder also, dass auch die Wilhelmsburger ErfinderInnen – aktuell übrigens deutlich mehr Mädchen als Jungen – den weitaus größten Teil ihrer zwei Schulstunden pro Woche als Erfinder im Freien verbringen, um zu recherchieren. „Wir haben die Leute zum Beispiel gefragt, was sie sich für ihren Stadtteil wünschen“, berichtet Daniel (13).
Respekt, Höflichkeit, friedlicher Umgang miteinander – solche Begriffe seien häufig gefallen.
Einige der Schüler haben daraufhin eine „Höflichkeits-App“ fürs Smartphone entwickelt, ein paar andere eine „Lächel-App“. Dass all diese Erfindungen bislang nur als Modell existieren – macht nichts. Was zählt, ist die Idee. Die Bonifatiusschule will den „Erfinderkurs“ nächstes Schuljahr als Wahlpflichtkurs einführen.
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