Haute Couture von der Elbinsel

Seit rund vier Jahren dabei: Nesrin Kaya (li.) und Zübeyde Bildir, beide wohnen auf der Veddel.
 
Designerin Sibilla Pavenstedt (M., mit Mitarbeiterinnen) führte 15 Jahre lang ein Atelier in Paris: „Dort war ich auch Ausländerin“, sagt sie.

Das Modelabel „Made auf Veddel“ bildet junge Migrantinnen zu Schneiderinnen aus

von Christopher v. Savigny
Rot, blau, grün – das Wollprodukt aus feiner Mohairfaser leuchtet in allen Regenbogenfarben. Zübeyde Bildir strickt diesen Schal, mit dem sich vielleicht einmal Barbara Auer schmücken wird. Die Hamburger Schauspielerin gehört ebenso wie die Moderatorinnen Susan Atwell und Nina Ruge zu den Kundinnen des Modelabels „Made auf Veddel“. Zübeyde Bildir gefällt diese Vorstellung: „Wenn andere meine Schals oder meine Jacken tragen, dann macht mich das glücklich“, sagt sie.
Seit gut vier Jahren arbeitet die Veddelerin in der Ausbildungswerkstatt von „Made auf Veddel“ in der Veddeler Brückenstraße: Täglich treffen sich dort bis zu zwölf Frauen aus dem Stadtteil, um gemeinsam zu stricken, zu nähen und zu häkeln. Die fertigen Produkte werden ins Atelier der Hamburger Designerin Sibilla Pavenstedt in St. Georg geliefert. „Ich möchte Frauen mit Migrationshintergrund die Chance geben, sich selbst zu verwirklichen“, sagt Pavenstedt, die das Projekt im Jahr 2008 aus der Taufe gehoben hat. Die kleine Nähstube auf der Veddel verfügt über vier leicht angejahrte, aber trotzdem sehr funktionstüchtige Nähmaschinen, an denen die Teilnehmerinnen Blusen, Röcke und Kos-tüme fertigen. Im Keller befindet sich zudem ein Lager mit allerlei Stoffen und Garnen. Einsteigerinnen bekommen Näh- und Strickunterricht. Auch ein Deutschkurs gehört zum Angebot. Alle Teilnehmerinnen werden für ihre Arbeit nach Tarif bezahlt. Das Projekt läuft sehr erfolgreich: Die Kunden reißen sich um die handgemachte Kleidung von der Veddel (Erkennungszeichen: das Etikett mit dem Namen der jeweiligen Näherin im Kleidungsstück). Mit ihren Produkten sind Pavenstedt und ihre Mitarbeiterinnen häufig auf Modenschauen und Benefizveranstaltungen zu Gast. Im Mai ist eine Veranstaltung im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) geplant. Magazine und Zeitungen aus ganz Deutschland – auch die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ – rufen an, um einen Interviewtermin zu bekommen. Ein Riesenerfolg, findet die Modemacherin. „Es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn man merkt, wieviel Wertschätzung die eigene Arbeit erfährt“, sagt sie.
Die Frauen, die meisten von ihnen türkischer Herkunft, betrachten den Näh- und Strick-unterricht als willkommenes Angebot, ihr Leben in vernünftige Bahnen zu lenken. „Fernsehen? Das ist nichts für mich“, sagt Nesrin Kaya, wie Bildir eine Teilnehmerin der ersten Stunde. „Ich muss etwas mit meinen Händen tun, damit ich zufrieden bin.“ Zurzeit strickt Kaya an einem Paar roter Armstulpen – ein Kundenauftrag. „Früher wollte ich sogar mal Modedesignerin werden“, berichtet sie. Nun zeigt sie den Neulingen im Ausbildungsatelier den Umgang mit Nadel und Faden und wird dafür extra bezahlt. Und sie spricht sehr viel besser Deutsch als noch vor vier Jahren.
In der Modewelt gilt die Halbitalienerin Sibilla Pavenstedt als feste Größe: Regelmäßig präsentiert sie ihre Kollektionen auf den Laufstegen von Paris, Mailand und Tokio. „Mode ist international“, sagt sie und berichtet davon, wie junge Migrantinnen früher in ihren Laden spazierten und „einfach mal mitarbeiten“ wollten. So entstand die Idee für das Projekt „Made auf Veddel“, dessen Produkte man in Pavenstedts Atelier in der Langen Reihe sowie in mindestens sechs weiteren Hamburger Modeläden erwerben kann. Gerne möchten die Betreiber noch mehr Migrantinnen beschäftigen – derzeit sind es zwölf. „Die Nachfrage ist enorm“, sagt die Designerin. Aber dafür müsste „Made auf Veddel“ erst einmal größere Räume anmieten.
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