Hallo Hobbyfilmer = Tschüss Privatsphäre?

Hamburg: Wilhelmsburg | Dass Wilhelmsburg als angesagt gilt, braucht an dieser Stelle wohl nicht mehr näher erklärt zu werden. Und dass die Altstadt von Wilhelmsburg noch als noch angesagter gilt, versteht sich mittlerweile auch von selbst. Aber hat das nicht auch seine Grenzen?

Letzte Woche Dienstag, den 04. September, steuerte ich wie immer gegen Nachmittag mein Wohnhaus an, welches an einer der Hauptstraßen im Reiherstiegviertel liegt. Kurz bevor ich die Haustür erreichte, bemerkte ich einen jungen Mann mit langen, schwarzen Haaren, der eine Kamera hielt und mich ebenfalls bemerkte, denn er schaute kurz auf und sah mich danach an. Uns trennten ca. fünf Meter.

Die Kamera, die recht wuchtig aussah für einen scheinbaren Hobbyfilmer, machte mich stutzig. Leute, die hier durch die Gegend ziehen und Fotos knipsen, manchmal auch filmen, ist man ja als Hamburgerin durchaus gewohnt. Trotzdem wunderte es mich, wieso dieser Mann dort stand und was er dort wollte. Anschließend ging er wieder ein paar Meter die Straße hinauf und hielt die Kamera auf eines der Nachbarhäuser. „Aha“, dachte ich, „der filmt ja meine Nachbarschaft.“

Aber wozu? Sollte man nicht vorher bei den Hausbewohnern um Erlaubnis fragen? Weil ich mir unschlüssig war, ob ich wollte, dass meine Wohnungsfenster demnächst auf YouTube oder wohlmöglich Facebook zu sehen sein würden, nahm ich mir vor, abzuwarten, ob der Mann nicht eventuell von dannen zieht und nichts weiter filmt. Aber da irrte ich mich.

Kaum war ich oben in meiner Wohnung angekommen, blickte ich aus dem Küchenfenster und stellte fest, dass er die Kamera, während er sich auf der Hecke abstützte, auf den Garten meiner Nachbarn aus dem Erdgeschoss richtete. Nicht nur das. Er filmte auch deren Fenster und richtete schließlich die Kamera nach oben: Erst die Fensterreihe über den Nachbarn und dann auf meine Fensterreihe gerichtet. Unglücklicherweise war ich dann auch gleich mit auf dem Film.

Da ich nicht wollte, dass erstens ein Fremder ganz bewusst meine Fenster und zweitens mein Konterfei mitfilmt und ich drittens einfach nur wissen wollte, wo er dies zu zeigen gedenkt (und dass meine Fenster sowie mein Konterfei bitte raus geschnitten werden sollen), ging ich nach unten und wollte ihn ansprechen. Leider war er schon weiter weg und ich konnte ihn nicht mehr einholen.

Ich habe bestimmt nichts zu verbergen. Und sicherlich bin ich auch unfreiwillig auf unzähligen Kameraufzeichnungen, Touristenfotos und –Videos sowie anderen Schnappschüssen zu sehen. Aber meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass man die Privatsphäre von den Hausbewohnern, die in den Rotklinkerbauten wohnen (die für mich übrigens zu Wilhelmsburg gehören wie der Senf zur Wurst), respektieren und wenigstens –wenn man schon die Chance hat, einen Hausbewohner zu erwischen- mal ansprechen oder klingeln und fragen kann, ob man die Hausfront mitsamt des Gartens filmen darf.

Wenn er mag, kann er sich ja gern im Wochenblatt oder auf der Internetseite des Elbe-Wochenblattes melden. Ich würde mich jedenfalls darüber freuen.
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