Gute Pläne, aber zu wenig Geld

„Bürgerbeteiligung ist wichtig, weil Projekte und Ideen heutzutage mehr denn je nicht nur von den Machern umgesetzt werden müssen, sondern auch von den Betroffenen“, sagt Lutz Cassel.

Beirat für Stadtteilentwicklung sucht weitere Sponsoren

Die nächsten drei Jahre sind gesichert: Nachdem Ende 2013 die bisherige Förderung ausgelaufen ist, erhält der Beirat für Stadtteilentwicklung jeweils 10.000 Euro aus dem Quartiersfonds des Bezirks Hamburg-Mitte. Soweit, so gut – bisher hatte der Beirat jedoch jährlich über 60.000 Euro zur Verfügung. Um die Differenz aufzubringen, hat sich Lutz Cassel, der dem Gremium seit drei Jahren vorsitzt, auf die Suche gemacht und mehrere große Unternehmen und ein paar kleinere Wilhelmsburger Firmen als Sponsoren gewinnen können. Insgesamt sind für 2014 so 40.000 Euro zusammengekommen.
„Das ist auskömmlich, reicht aber nicht, um weitere Sitzungen und einen notwendigen Verfügungsfonds zu finanzieren“, sagt Cassel, der weiter nach Sponsoren sucht. Er will die Zahl der Sitzungen von jährlich sechs auf acht erhöhen. Denn Arbeit gibt es genug. „Auf dieser Insel ist so vieles in Bewegung und noch nicht zu Ende gedacht“, sagt der 68-Jährige. „Wir haben uns immer eingebracht und eingemischt, und das werden wir auch weiter tun.“
In den letzten Jahren haben die IBA und igs die Arbeit des Beirats stark geprägt. Jetzt will sich das Gremium wieder stärker auf kleinere regionale Themen konzentrieren. Dabei steht die Weiterentwicklung der Kulturszene am Veringkanal ganz oben auf der Liste. Zudem möchte sich der Beirat dafür einsetzten, dass die für die igs aufgestellte barrierefreie Brücke über die Reichsstraße nicht, wie zurzeit geplant, in diesem Jahr abgebaut wird, sondern bis zur Verlegung der Straße bleibt.
Ein großer Posten im Beiratsbudget ist der Verfügungsfonds. Bisher flossen jährlich rund 20.000 Euro an kleinere Stadtteilprojekte, wie beispielsweise Nachbarschaftsfeste. Cassel hofft, in diesem Jahr zumindest 15.000 Euro dafür aufzutreiben. „Das ist eine unserer wichtigs-ten Aufgaben“, betont er.
Bisher wurde die Arbeit des Beirats von einem Stadtplanungsbüro professionell begleitet. Zukünftig übernimmt ein Mitarbeiter des Bürgerhauses Wilhelmsburg die Vor- und Nachbereitung der Sitzungen. Zudem bekommt das Gremium ein Büro im Bürgerhaus.



Stadtteilbeirat – wer macht mit?
Das Bürgergremium ist 1997 ins Leben gerufen worden. Es tagt sechs Mal im Jahr im Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20. Alle 19 Beiratsmitglieder und ihre 19 Vertreter engagieren sich ehrenamtlich. Im Beirat sitzen neben 15 Vertretern der verschiedenen Quartiere Wilhelmsburgs auch Vertreter der politischen Parteien. Zukünftig möchte Lutz Cassel auch Gewerbetreibende und Religionsgemeinschaften mit einbinden. „So ein Stadtteil wie Wilhelmsburg mit einer muslimischen Population von 40 Prozent kann keine Bürgerbeteiligung ohne eine muslimische Stimme haben“, sagt Cassel. Die Empfehlungen des Beirats werden im Regionalausschuss und in der Bezirksversammlung diskutiert. „Gut 80 Prozent unserer Empfehlungen sind von der Politik angenommen worden“, sagt der Vorsitzende zufrieden. Er versteht das Gremium als direkte Schnittstelle zwischen Bürgern und Politik. Die Sitzungen sind ein niederschwelliges Angebot für alle, die in ihrem Stadtteil mitreden wollen. Cassel: „In die Bezirksversammlung kommt man nicht, zu uns schon. Jeder Bürger hat das Recht, Probleme und Ärger direkt in der Sitzung loszuwerden.“
Zurzeit gibt es mehrere freie Sitze im Beirat. Wer Interesse hat mitzuarbeiten, kann sich bei Kai Osten im Bezirksamt Hamburg-Mitte unter Tel. 428 54 46 24 oder kai.osten@hamburg-mitte.hamburg.de melden.
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