Günstiger Wohnraum wird knapper

In Kirchdorf-Süd vermieten Saga/GWG und Genossenschaften Hunderte von Sozialwohnungen. Für eine geförderte Wohnung fallen bei Saga/GWG 4,54 Euro kalt pro Quadratmeter an.

Wilhelmsburg und Veddel verlieren bis 2020 ein Drittel des Bestands an Sozialwohnungen

Carsten vitt/Anna Sosnowski, Wilhelmsburg/Veddel
Noch sind Tausende Haushalte in Wilhemsburg und auf der Veddel vor hohen Mieten geschützt: Bei Sozialwohnungen sind günstige Mieten auf Jahrzehnte festgeschrieben, doch diese Verpflichtungen fallen nach und nach weg – das Elbe Wochenblatt gibt den Überblick.
• Um wie viele Wohnungen geht es?
Derzeit gibt es auf den Elbinseln insgesamt noch 6.490 Sozialwohnungen, die vorrangig an Langzeitarbeitslose, Geringverdiener oder Sozialhilfeempfänger vergeben werden. Größter Vermieter ist mit 3.838 Sozialwohnungen die städtische Wohnungsgesellschaft Saga/GWG. Für eine Saga/GWG Wohnung in Kirchdorf-Süd werden zurzeit 4,54 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter fällig.
• Was passiert mit den Wohnungen?
Laut Stadtentwicklungsbehörde BSU laufen in den kommenden Jahren bei Hunderten von Wohnungen in Wilhelmsburg und auf der Veddel diese sogenannten Mietpreisbindungen aus:  Bis 2020 sind insgesamt 2.087 Einheiten betroffen – das ist knapp ein Drittel des Bestands. Ein Großteil der Wohnungen verliert bis Ende nächsten Jahres die günstigen Konditionen: In diesem Jahr 811 Einheiten und 2015 weitere 844 Einheiten.
• Steigen die Mieten?
Laut BSU ist eine Mieterhöhung von maximal 15 Prozent in drei Jahren zulässig. Ob die Bewohner von 250 Sozialwohnungen der Saga/GWG in Kirchdorf-Süd mit einer Mieterhöhung rechnen müssen, wenn ihre Wohnungen Ende 2015 aus der Mietpreisbindungen fallen, steht noch nicht fest. „Eine Festsetzung neuer Mieten wird es erst Mitte nächsten Jahres geben“, sagt Saga/GWG-Sprecherin Kerstin Matzen. Grundsätzlich gilt bei der Saga/GWG: Mieten werden um höhstens 7,5 Prozent in einem Schritt beziehungsweise pro Jahr um maximal 30 Euro im Monat erhöht. Private Vermieter dürften Mieten kräftiger anheben. 519 der insgesamt 1.241 Sozialwohnungen im privaten Bestand verlieren bis 2020 die Mietpreisbindung.
• Werden neue günstige Wohnungen gebaut?
2012 sind in Wilhelmsburg insgesamt 215 Wohnungen genehmigt worden, darunter waren lediglich 15 günstige geförderte Einheiten (etwa 7 Prozent). 2013 wurden in Wilhelmsburg 249 Wohneinheiten genehmigt – darunter 108 Sozialwohnungen (etwa 44 Prozent). Auf der Veddel sind 2012 und 2013 überhaupt keine Wohnungen gebaut worden. Im vergangenen Jahr wurden hier jedoch 214 Wohn-einheiten mit öffentlicher Förderung modernisiert und deshalb für 15 Jahre mit einer Mietpreisbindung belegt.


Mieterverein fordert moderate Erhöhungen:
Bei immer mehr Sozialwohnungen laufen die günstigen Mietpreise aus, es werden wenig neue geförderte Wohnungen gebaut. Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg fordert: „Wenn die Bindungen auslaufen, darf nicht sofort die maximal mögliche Mieterhöhungen gefordert werden.“ Denn günstiger Wohnraum wird immer knapper. „In den letzten vier bis fünf Jahren fanden gerade in dem untersten Segment die stärksten Mieterhöhungen statt“, so Chychla. Weiteres Problem: Laut Mieterverein zu Hamburg sind bei Neubauten die günstigen Mieten in der Regel nur auf 15 Jahre festgeschrieben, vor ein paar Jahren galten diese Mietgrenzen noch für 30 bis 40 Jahre.



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Betreff: Sozialwohnungen Wilhelmsburg
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