Gruselvermieter Gagfah

Etwa 30 Mieter aus Gagfah-Bauten zogen protes-tierend vor die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, um auf unzumutbare Zustände in ihren Wohnungen und einen Vermieter, der „komplett nix tut“, aufmerksam zu machen. (Foto: Foto: pr)

Mieter fordern die Politik auf, endlich etwas zu unternehmen

Von Angela Dietz, Wilhelmsburg
Die Gagfah-Mieter im Wilhelmsburger Bahnhofsviertel haben die Schnauze voll. Schimmel, undichte Fenster, Wände und Dächer, verrottende Treppenhäuser und kaputte Fahrstühle, das wollen sie sich nicht länger gefallen lassen. Schon im vergangenen Jahr protestierten sie vor der Konzernzentrale in Wandsbek. Doch nichts tat sich. Jetzt fordern sie die Politik auf, endlich einzuschreiten.
In der Broschüre „Immer Ärger mit der Gagfah“ dokumentiert die Mieterini akribisch die Zustände im Bahnhofs- und Korallusviertel. „Der Konzern vernachlässigt die Instandhaltung seines Wohnungsbestands systematisch“, so der Vorwurf der AG Wohnen, die die Mieter unterstützt. Rund 30 Mieter besuchten am Montag morgen die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), um Senatorin Jutta Blankau eine Unterschriftenliste mit ihren Forderungen zu übergeben.
Die Mieter müssen um jede noch so kleine Reparatur kämpfen, selten haben sie Erfolg. Grundlegende, teilweise gefährliche Mängel werden nicht beseitigt. Schrecklicher Höhepunkt in der Gruselliste: Laut AG Wohnen sauste unlängst ein Mieter im nicht gewarteten Fahrstuhl ungebremst fünf Stockwerke tief. Er überlebte verletzt. „Die Gagfah ist unmöglich, die tut komplett nix. Und die Stadt, die interessiert sich nicht!“, schimpft Fatima D. Gagfah-Sprecherin Bettina Benner sagt: „Der Fahrstuhl ist gewartet worden.“
Was können Politik und Verwaltung tun? „Es ist ein Unding, dass in Hamburg nur zwölf bezirkliche Behördenmitarbeiter in der Wohnungspflege tätig sind“, erklärt die Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sudmann (Linke). „Das ist angesichts der allerorten auftretenden Mängel und des zunehmend dreisten Verhaltens einzelner Vermieter wie der Gagfah viel zu wenig.“
Weitere Forderungen: Verhängung von Geldbußen durch den Bezirk, eventuell Gesetzesänderungen und ein neues Sanierungsgebiet. „Solange der Senat nicht erheblich mehr Sozialwohnungen baut und versucht, auslaufende Sozialwohnungsbindungen zu verlängern, haben Gruselvermieter wie die Gagfah leichtes Spiel“ sagt Sudmann.



Info:
Gagfah
Die Wohnungen im Bestand der Gagfah gehörten bis zur Privatisierung der Deutschen Bahn. Bundesweit gehören der Gagfah 120.000 Wohnungen, hamburgweit ca. 9.400, in Wilhelmsburg etwa 1.000.
AG Wohnen
Mieter helfen Mietern (MhM), die Sozialberatungsstelle verikom Wilhelmsburg, der Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg (Aku) und die Pastorin für Verständigungsarbeit der ansässigen evangelischen Kirchengemeinde haben sich zusammengeschlossen, um die Mieter zu unterstützen.
Veranstaltung
Mieten – Mängel – Wohnungsnot! Kann die Gagfah machen, was sie will? Donnerstag, 7. Juni, 19 Uhr, Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20. Auf dem Podium: Mieter aus dem Bahnhofs- und Korallusviertel, Matthias Kock, Amt für Wohnen, Stadterneuerung und Bodenordnung der BSU, Heike Sudmann, Bürgerschaftsabgeordnete der Partei die Linke und stadtentwicklungspolitische Sprecherin. AD
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.