Gewürzt mit Kultur

Daniel (15), Furkan (16), Jaqueline (15) und Rabia (16) haben gemeinsam mit ihren Mitschüler der Klasse 10e viele Stunden in der Schulküche an Rezepten gefeilt. Besonders die Schafskäseröllchen (Sigara Böregi) kochen die Schüler jetzt gerne zu Hause. „Meine Eltern waren begeistert davon, weil es etwas ganz anderes ist, als das, was sie traditionell essen“, erzählt Daniel, dessen Familie aus Kasachstan kommt. Fotos: as

Wilhelmsburger Stadtteilschüler bringen interkulturelles Kochbuch „Heimat im Topf“ heraus

Kirnis, Patlican Yemegi, Manti, Kadayif – welche Köstlichkeiten sich hinter den fremd klingenden Namen verstecken, wissen die Schüler der Klasse 10e an der Stadtteilschule Wilhelmsburg genau. Die 21 Jugendlichen aus neun Ländern haben gemeinsam ein Kochbuch geschrieben. „Das sind alles Rezepte, die wir zu Hause selber kochen“, erzählt Rabia. In der Familie der 16-Jährigen kommen fast ausschließlich türkische Gerichte auf den Tisch. Ihre „Etli Taze Fasulye“, Schneidebohnen mit Lammfleisch, sind eines von insgesamt 49 internationalen Rezepten, die man ab sofort im Kochbuch „Heimat im Topf“ findet.
Initiatorin des Projekts ist Lehrerin Nina Köhler. Die Stadtteilschüler besuchen seit zwei Jahren ihre Profilklasse „An die Löffel, fertig, los!“. „Ich wollte mit ihnen ein Restaurant aufmachen. Dann fiel mir ein, dass wir zuerst Rezepte brauchen“, erzählt sie.
Köhlers Klasse traf sich jeden Montag in der Schulküche, um gemeinsam zu kochen und an Gerichten zu feilen. Dabei lernten die jungen Köche die Kulturen ihrer Mitschüler besser kennen und stießen auf viele Gemeinsamkeiten und noch mehr Unterschiede. „Wir kommen aus komplett anderen Ländern und da wird auch komplett anders gekocht“, sagt Furkan (16). Auch Hühnersuppe ist nicht gleich Hühnersuppe, stellte Jaqueline fest. „Die von Rabia schmeckt ganz anders als eine deutsche. Dabei ist das Rezept fast gleich. Aber sie benutzt ganz andere Gewürze“, erklärt die 15-Jährige mit deutschen, polnischen und türkischen Wurzeln.
Die Autoren haben ihr Kochbuch nicht nur mit ihren Lieblingsrezepten gefüllt, sondern alle Gerichte auch mit großer Sorgfalt selbst illustriert. Eine Kunstlehrerin und eine Illustratorin betreuten die Arbeit. „Es war schon stressig, wenn man immer wieder eine Kartoffel zeichnen musste“, erinnert sich Daniel (15). Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Das liebevoll gestaltete Kochbuch kann es
locker mit Büchern professioneller Autoren aufnehmen!
Die Kosten für das 15.000 Euro teure Buchprojekt hat die Klasse komplett mit Hilfe von Sponsoren gedeckt. Einnahmen aus dem Verkauf werden in den Druck der zweiten Auflage investiert, der Rest kommt dem Schulverein zugute. „Die ersten 700 Exemplare sind schon fast vergriffen“, freut sich Köhler.


Hier gibt’s das Buch:
„Heimat im Topf – Kreative Kultur-Küche“ hat 136 Seiten und kostet zwölf Euro. Das Kochbuch kann über die Homepage www.heimatimtopf.de bestellt werden (Versand drei Euro). In Wilhelmsburg ist es in der Buchhandlung Lüdemann, Fährstraße 26, erhältlich.
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