Geplante Autobahn führt über Friedhof Finkenriek

„Ruhestätte am Seitenstreifen“: Wilhelmsburger demonstrieren auf dem Friedhof. Foto: cvs

Betroffen ist ein muslimisches Gräberfeld mit 40 Grabstellen –
Wirtschaftsbehörde verspricht „würdevollen Planungsprozess“

Von Christopher von Savigny.
Wenn Autobahnen gebaut werden, fallen schon mal Bäume, werden Biotope kurzerhand verlegt, oder müssen Landwirte sich neue Plätze für ihre Felder und Obstplantagen suchen. Im Fall von Wilhelmsburg macht der Autobahnbau selbst vor der
Totenruhe nicht halt: Denn der östliche Abschnitt der noch in Planung befindlichen A 26 verläuft exakt durch den Nordzipfel des Friedhofs Finkenriek.
Betroffen ist ein muslimisches Gräberfeld mit rund 40 Grabstellen. Dagegen machen jetzt die beiden Initiativen „Engagierte Wilhelmsburger“ und „Zukunft Elbinsel Wilhelmburg“ mobil. Vor Ort demonstrierten Aktive mit der sinnigen Aktion „Ruhestätte am Seitenstreifen“.
In offener Bauweise soll hier, in der Nähe der Kornweide, ein Tunnel für die A 26 entstehen. Für die Angehörigen der Toten hätte dies zur Folge, dass die bestatteten Leichname umgebettet werden müssen – wahrscheinlich nach Öjendorf. Neue Grabstellen werden bereits nicht mehr vergeben.

„Wer denkt sich
solche Pläne aus?“

Bei den Wilhelmsburger Muslimen sorgt die Routenplanung – verantwortlich ist die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) – für Unverständnis und Ärger: „Wir sind Wilhelmsburger, unsere Eltern haben hier ihre zweite Heimat gefunden. Längst nicht mehr alle wollen zurück und in der
alten Heimat begraben werden“, sagt Mustafa Yasar. „Nun ist kein Platz für uns in Finkenriek und unsere Art begraben zu werden. Das ist sehr traurig.“ Nagla Musleh, deren Vater in Finkenriek
beerdigt wurde, ist ebenfalls entsetzt. „Was ist mit der Ruhe und Würde unserer Toten? Warum werden Autobahnen überhaupt durch Wohngebiete und Friedhöfe geführt, wer denkt sich so was aus?“, fragt sie.
Dazu die Hamburger Wirtschaftsbehörde (BWVI): „Derzeit erfolgt durch einen Fachplaner eine Bestandsaufnahme und Überplanung des Friedhofs Finkenriek mit dem Ziel, eine verträgliche zukunftsorientierte Lösung für muslimische Bestattung auf der Elbinsel zu finden.“ Noch in diesem Jahr werde man die Planungen mit den Betroffenen erörtern. „Dabei soll der Planungsprozess einvernehmlich und würdevoll erfolgen", heißt es in der Stellungnahme.
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