Gegensätze in Stein gehauen

Formt Steine zu Kunstwerken: Bildhauer Christian Ruckdeschel (mit Skulptur „I think I need new parts“). (Foto: cvs)

Sommerserie: Künstler von der Elbinsel

von Christopher v. Savigny

Christian Ruckdeschel mag Gegensätze, weil sie Fragen aufwerfen. „Mir geht es aber nicht darum, Antworten zu geben“, sagt der 41-Jährige. Aus Gegensätzen besteht ein Großteil der Arbeiten des Wilhelmsburger Bildhauers: Schwarzen Basalt verbindet er mit hellem Marmor, roher, unbehauener Schiefer fügt sich mit glattem Gestein zu neuen, interessanten Formen zusammen. „I think I need new parts“ hat er eine seiner Skulpturen genannt – in Anlehnung an einen etwas betagten, ehemaligen Kunstlehrer. „Weil ihn seine Knochen öfters plagten, hat er aus Spaß gesagt, er bräuchte neue Teile“, schmunzelt Ruckdeschel.
Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, die ebenfalls Bildhauerin ist, hat der Künstler vor eineinhalb Jahren ein Atelier in den Räumen einer Autowerkstatt am Veringkanal gemietet. Im Winter ist es dort eisig kalt – aufwärmen kann man sich notfalls in der Küche, wo es einen Ofen gibt. Ruck-deschel liebt sein Atelier trotz alledem, wegen der schönen Lage direkt am Kanal. „Und weil Wilhelmsburg so eine interessante Mischung bietet“, sagt er.
Aufgewachsen ist der 41-Jährige im nordostbayerischen Fichtelgebirge, wo er bereits als Kind in Steinbrüchen herumtobte und eine Faszination für Gestein entwickelte. Schon damals wollte er Künstler werden, entschied sich aber nach der Schule zunächst für eine Ausbildung als Steinmetz. Anschließend studierte Ruckdeschel ein Semester lang Geologie („Das war mir zu theoretisch!“), bevor er sich an der Kunstakademie in Nürnberg einschrieb. Seit 2006 ist er als freier Künstler tätig.
Zu Ruckdeschels Werkzeugen gehören eine Flex, ein Druckluftmeißel und eine Feile, mit denen er das Gestein bearbeitet. Die größten Probleme bereitet nach wie vor der Transport: „Das Material gibt es meistens umsonst, aber unser VW-Bulli schafft nicht mehr als 800 Kilo“, berichtet der Bildhauer. Das bedeutet Transportkosten. „Als freier Künstler kann man von seiner Arbeit leben“, sagt Ruckdeschel. „Aber man braucht einen langen Atem.“
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