Gartenschau: Endlich Gäste!

Warme Temperaturen und der blühende Rosengarten lockten am vergangenen Mittwoch rund 9.000 Besucher auf die Gartenschau.

Dank Sommerwetter und Rabattaktionen: Nach holprigem Start steigen die Besucherzahlen

Aufatmen bei der internationalen Gartenschau: Mit dem Anstieg der Temperaturen in den letzten Tagen steigen offenbar auch die Besucherzahlen. „Wir haben jetzt etwa ein Drittel mehr Gäste als am Anfang“, bestätigt igs-Sprecherin Kerstin Feddersen. In den ersten zweieinhalb Monaten seit der Eröffnung Ende April fanden nur knapp 400.000 Besucher den Weg nach Wilhelmsburg – deutlich weniger als erwartet.
„Die Besucherzahlen stehen immer in direkter Relation zum Wetter“, betont Feddersen. Außerdem würden langsam die Ferienaktionen greifen, und auch die derzeitige Rosenblüte sei eine besondere Attraktion. Neben dem schlechten Wetter gibt es jedoch noch einen weiteren Grund für die Anlaufschwierigkeiten der igs: Der happige Eintrittspreis von 21 Euro scheint viele abzuschrecken. „Der Preis ist eine Hürde für Menschen mit kleinem Geldbeutel“, hatte der Hamburger Grünen-Chef Jens Kerstan kritisiert und eine Absenkung auf 15 Euro gefordert. Doch darauf wollten sich die Veranstalter nicht einlassen. Stattdessen setzt man lieber auf Rabatt-
aktionen wie das Feierabend- ticket (neuerdings schon ab 17 Uhr) oder das günstige Großeltern-Enkel-Ticket. „Weitere Aktionen sind geplant“, so igs-Sprecherin Feddersen.
Rund 70 Millionen Euro hat die Stadt in die dauerhafte Nutzung des Parks investiert, zusätzliche 50 Millionen Euro Betriebskosten sollen über die Eintrittsgelder refinanziert werden. Das klappt jedoch nur, wenn genug zahlende Gäste kommen, andernfalls ist der Steuerzahler in der Pflicht, das Defizit auszugleichen. Von der anfänglich anvisierten Zielmarke über 2,5 Millionen Besucher ist die igs inzwischen abge-
rückt. „Zur Abdeckung der Betriebskosten reichen auch zwei Millionen Besucher, und die schaffen wir bestimmt“, versichert Feddersen.
Bleibt zu hoffen, dass dieser Optimismus anhält. Denn wie blank die Nerven der Veranstalter angesichts des holprigen Starts tatsächlich liegen, verrät ein Mitarbeiter eines igs-Subunternehmens hinter vorgehaltener Hand: „Um die Besucherzahlen künstlich in die Höhe zu treiben, werden sogar die externen Mitarbeiter täglich am Eingang gescannt und auf diese Weise mitgezählt!“
Die igs weist die Vorwürfe entschieden zurück. "Alle Personen, die das igs-Gelände betreten, ob Gäste oder Mitarbeiter, müssen ihre Eintrittsberechtigung am Einlass vorzeigen. Diese Einlasskarten werden mit dem Kartenlesegerät gescannt", stellt igs-Sprecherin Karin Gaedicke klar. So werde sichergestellt, dass niemand unberechtigt das Gelände betreten könne. Mitarbeiter und Gäste würden statistisch gesondert ausgewiesen. Gaedicke: "Die Mitarbeiter, die mehrfach täglich das Gelände betreten werden pro Tag statistisch nur einmal erfasst."


Hamburger zeigen wenig Begeisterung:
Vor zehn Jahren lockte die internationale Gartenschau in Rostock rund 2,6 Millionen Besucher an, die Bundesgartenschau in Koblenz 2011 war ebenfalls ein riesiger Erfolg, und auch die Veranstalter der kleinen Landesgartenschau in Norderstedt vor zwei Jahren zeigten sich mit rund 600.000 Gästen sehr zufrieden. Warum ist das Interesse an der Wilhelmsburger Ausstellung so gering? Evelyn Heß, die urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management studiert, vergleicht in ihrer Studienabschlussarbeit die
Koblenzer Ausstellung mit der igs 2013, hat sich beide Schauen intensiv angesehen. Ihr Fazit: „Die Koblenzer lebten für ihre Buga und waren stolz darauf. Dagegen ist die igs hier in Hamburg nur Beiwerk, von einer Begeisterung der Hamburger ist nichts zu spüren.“ Möglicherweise ist die Konkurrenz in der Weltstadt Hamburg einfach zu groß, jedes Wochenende Mega-Konzerte, Mega-Events, Schlagermove, Harleydays, Hafengeburtstag, Alstervergnügen, Dom – da geht eine internationale Gartenschau schon mal unter...
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