Gagfah will Mieten nach Sanierung kräftig anheben

Ingrid Bajohrs Balkon ist kaum noch benutzbar. Im eingebauten Wandschrank spritzt bei Regen das Wasser aus der Wand. Im Inneren ist alles voller Schimmel, auch die Balkonwand ist feucht.

Miete in der Korallusstraße 11-17 soll von 4,80 auf 6,20 Euro pro Quadratmeter steigen – vom Mieterverein kommt Kritik

Als Ingrid Bajohr erfuhr, dass der Wohnblock in der Korallusstraße, in dem sie seit 24 Jahren lebt, modernisiert werden soll, war ihre Freude groß. „Ich will meinen Balkon endlich wieder nutzen können“, sagt die Wilhelmsburgerin und zeigt auf Wasserschäden und Schimmelflecken an der Balkonwand und im Einbauschrank. Auch die Heizungen im Wohnzimmer würden seit Jahren nicht richtig funktionieren. „Im Winter sitzen wir hier in dicken Pullovern“, erzählt die 61-Jährige. Doch mit der Modernisierungsvereinbarung, die die Gagfah Bajohr vorlegte, kam die Ernüchterung. Denn nach Fertigstellung der Arbeiten soll die Sachbearbeiterin pro Monat 113 Euro mehr Miete zahlen.
„Wie sich die Erhöhung zusammensetzt, stand da nicht“, sagt Bajohr empört. Nur dass Dächer und Fassaden gedämmt, Balkone saniert und Fenster ausgetauscht würden. Statt blind zu unterschreiben und damit die Mieterhöhung von 4,80 Euro auf 6,20 Euro pro Quadratmeter zu akzeptieren, beschloss Bajohr, die Vereinbarung überprüfen zu lassen – obwohl ihr Vermieter mehrfach auf ihre Unterschrift drängte, denn mit den Bauarbeiten will man am 15. August beginnen.
„Die Gagfah will, dass ihre Mieter die Katze im Sack kaufen“, kritisiert Ralf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg. Auf seine Nachfrage hin legte die Gagfah eine Baukostenaufstellung vor. Doch auch die sei problematisch. So falle der Instandhaltungsteil der Baumaßnahme, der komplett zu Lasten des Eigentümers geht, sehr niedrig aus, so Bosse. Und Modernisierungen, die die Mieter mitfinanzieren, würden entsprechend höher zu Buche schlagen. Will die Gagfah so die Kosten für die seit Jahren vernachlässigten Häuser auf ihre Mieter abwälzen? Um das zu klären, müsste man den baulichen Zustand der Häuser prüfen, erklärt Bosse.
Alternativ hat er der Gagfah einen Vorschlag unterbreitet: Die Mieter erklären sich mit einer Mieterhöhung auf 5,45 Euro pro Quadratmeter einverstanden, vorausgesetzt es gibt fünf Jahre lang keine weitere Erhöhung. „Auch eine Mietsteigerung von knapp einem Euro pro Quadratmeter ist für zahlreiche Mieter schwer zu verkraften“, sagt Bosse. Die Gagfah hat auf seinen Vorschlag noch nicht reagiert.

Das sagt die Gagfah:
Auf Anfrage des Elbe Wochenblatts weist die Gagfah alle Vorwürfe zurück. „Bei der Berechnung der Mieterhöhung verzichten wir bereits auf einen Teil der gesetzlich zulässigen Mieterhöhung, um sozialverträgliche Mieten nachhaltig gewährleisten zu können“, sagt Gagfah-Sprecherin Bettina Benner. „Den Vorwurf, die Mieter würden die Katze im Sack kaufen, weisen wir ausdrücklich zurück, Unsere Mitarbeiter vor Ort haben mit fast allen der 32 Mieter, auch mit denen, die von den Mietervereinen vertreten werden, persönliche Gespräche in den jeweiligen Wohnungen geführt.“ An den Dächern der Häuser in der Korallusstraße 11 bis 17 gebe es zudem keine größeren Schäden. Auch größere Durchfeuchtungsschäden lägen bei den Häusern nicht vor.
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