Gärten? Ich seh nur Beete und Beton!

Die igs hat eine Vorliebe für Nachgemachtes: rechts die klitzekleinen nordafrikanischen Dünen aus Beton mit – immerhin – echten Palmen, links Gewürze aus Plastik – ärgerlich! (Foto: ch)

Eine sehr subjektive Erfahrung auf der internationalen Gartenschau

von Christiane Handke-Schuller
Wer enttäuscht ist, wird schnell unfair. Deswegen gleich zu Beginn die Warnung: Ich bin enttäuscht von der Internationalen Gartenschau in Wilhelmsburg. Und deshalb wahrscheinlich unfair.
Beton. Das ist der erste Eindruck, wenn man das Garten-schaugelände durch den Haupteingang betritt. Und der zweite und der dritte auch. Nicht nur, dass die spektakulären Neubauten rund ums Gartenschaugelände den Blick auf sich ziehen – auch auf dem Gelände selbst herrscht Beton vor. Die Hauptwege sind breit genug, um in Reihen zu 30 Mann entlangzuflanieren. Leider kommen die Gäste nicht in Zahlen, die überbreite Wege rechtfertigen. Die Passanten wirken verloren. Blumen? Ein paar, in Beton eingerahmt.
Links eine graue Wand – die „Blumenhalle“. Die Blumen sind drinnen – einbetoniert in mit dem Lineal gezogenen Beeten. Betonbänke stehen in „Lauben“ aus exakt ausgerichteten Spalierbäumen. Die wiederum stehen in – Betonkübeln. Nur raus hier.
In 80 Gärten um die Welt. Was für eine wundervolle Idee. Doch die Realität hält weder der Idee noch der Werbung stand. Die 80 Gärten sind klein. Vielleicht hätte man texten sollen: In 80 ziemlich großen Beeten um die Welt. Und: Gehören zu Gärten nicht Pflanzen? Die sind nicht gerade üppig vertreten - fehlen öfter auch ganz, wie in dem amerikanische Garten, wo statt eines Baums eine überdimensionale Ketchupflasche aus dem Boden wächst. Ärgerlich auch die „Kräuterausstellung“ aus Plastik.
Vielleicht hätten sich auf der igs mehr Gärtner und weniger Designer austoben sollen?
Wie die Besucher darauf reagieren, sieht man schnell. Wo knubbeln sie sich, wo machen sie Fotos? Im Rosengarten, der in voller Blüte steht und wie entfesselt duftet.
Ärgerlich: die lyrischen Werbe-Ergüsse auf manchen Schildern, die kein Mensch begreift („Date-Line“), oder die auf die Jagd nach Nichtvorhandenem führen: Wo finde ich um Himmelswillen im Garten von Shanghai die Baumwolle?
Andererseits ist die Beschilderung dann, wenn der gemeine Gartenliebhaber sie braucht, dürftig. Wie heißt diese hübsche dunkelrote Blume? Das einzige Schild sagt „W27“. „Rieschen se mal dran“, sagt eine Dame mit sächsischem Akzent. „Das is ne Schuggeladenblume“.
Ich will nicht ungerecht sein. Es gibt auch richtig schöne Ecken auf der IGS – wilde Wiesen mit großen Bäumen. „Das gabs schon vorher“, klärt meine Kollegin, Redakteurin für Wilhelmsburg, mich auf. „Das war hier mal eine Brachfläche, das sah alles so aus.“
Echt? Schade.
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3 Kommentare
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 09.07.2013 | 12:48  
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Angela Banerjee aus Altona | 16.07.2013 | 16:44  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 17.07.2013 | 12:56  
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