Für 50 Euro Leben aufs Spiel gesetzt

Adrien D. (30) möchte so schnell wie möglich zurück nach Kalabrien, wo er seit sechs Jahren mit seiner Freundin und der gemeinsamen Tochter (3) lebt.

Harburger Amtsgericht: Kupferkabel-Diebe zu Bewährungsstrafen verurteilt

Wie drei Häufchen Elend saßen Adrien D., Sergiu D. und George-Catalin N. auf der Anklagebank, mit gesenktem Kopf vernahmen sie den Richterspruch: je sechs Monate auf Bewährung wegen versuchten Diebstahls. Die Polizei hatte die drei Rumänen am 6. September erwischt, als sie gerade dabei waren, 100 Meter Kupferkabel vom S-Bahngelände abzutransportieren. Vor allem ihr spektakulärer Fluchtversuch hatte damals für Aufsehen gesorgt.
Die drei Männer (37, 30, 22) verbindet ein ähnliches Schick-sal: Sie leben seit Jahren in Italien, die beiden älteren mit Frau und Kind, verloren während der Wirtschaftskrise ihre Jobs und reisten Anfang September erst nach Dänemark und dann nach Deutschland, um Arbeit zu finden. Allein in der Fremde und ohne Sprachkenntnisse trafen sie am Hamburger Hauptbahnhof auf Landsleute, die ihnen 50 Euro anboten – für einen „kleinen Job“: den nächtlichen Abtransport von Kupferkabeln. Dass es sich um Diebesgut handelte, sei ihnen nicht klargewesen. „Wir wollten keine Straftat begehen“, versichern sie unisono. Schließlich hätten sie die Kabel nicht abgeschnitten, sondern diese hätten fertig aufgerollt neben den angeblich stillgelegten Gleisen bereitgelegen.
Was die Angeklagten nicht wussten: Die Gleise waren nicht stillgelegt, sondern die S-Bahn hatte nur Betriebsschluss. Und: Die Polizei hatte längst Wind von der Sache bekommen, sich auf die Lauer gelegt und die Diebe auf frischer Tat gefasst. In Panik hatten sie noch versucht, mit einem Sprung von der S-Bahnbrücke in Hammerbrook zu flüchten, was jedoch misslang. Sie landeten drei Meter tiefer auf einem Vordach und saßen dort in der Falle.
Die Anwälte betonten, dass ihre Mandanten keine professionellen Straftäter seien, sondern Gelegenheitstäter, bislang ohne Vorstrafen. Die vierwöchige Untersuchungshaft habe allen sehr zugesetzt. „Ich schäme mich und entschuldige mich beim deutschen Staat“, sagte George-Catalin N. (37) vor der Urteilsverkündung. Auch seine Mittäter zeigten sich reumütig.
Der Sachschaden beläuft sich auf 1.500 Euro, die S-Bahn-Strecke musste zudem stundenlang gesperrt werden. „Sie haben sich für 50 Euro in Lebensgefahr gebracht!“, sagte die Staatsanwältin und forderte eine neunmonatige Bewährungsstrafe. Das Urteil blieb knapp darunter: sechs Monate.

INFO: Kupfer-Diebstahl: Teuer und lebensgefährlich!

Mehr als 17 Millionen Euro Schaden durch Buntmetalldiebstahl verzeichnete die Deutsche Bahn allein im Jahr 2012 – noch nicht eingerechnet sind dabei Reparaturkosten und Schäden, die durch Zugausfälle entstehen. Die Diebe haben es auf Kupfer, Aluminium und Bronze abgesehen, deren Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind. Bisher sind weder DB-Mitarbeiter noch Bahnreisende zu Schaden gekommen, für letztere ist der Diebstahl allenfalls nervig wegen der oft mehrstündigen Bahnausfälle. „Am 6. September war der S-Bahnbetrieb von 4 bis 5.15 Uhr gestört“, erklärt DB-Sprecherin Sabine Brunk-horst.
Für die Diebe selbst ist die Sache schon gefährlicher: 1.200 Volt fließen durch die Stromschienen des S-Bahnnetzes, die neben den Gleisen verlaufen. Mit ihnen in Berührung zu kommen, ist lebensgefährlich: Es drohen massive Verbrennungen, Gefäßverletzungen, Herz- und Hirnschäden. Die Täter achten jedoch in den meisten Fällen darauf, Kabel zu stehlen, die nicht direkt an den Schienen verlaufen.
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