Flüchtlingsunterkunft Dratelnstraße wird ausgebaut

In die Erstaufnahme Dratelnstraße sollen bis zu 500 weitere Flüchtlinge einziehen. Damit würden fast 1.300 Menschen auf engstem Raum leben. Foto: tsilis

Innenbehörde angesichts steigender Flüchtlingszahlen unter Druck -
Bezirksamtsleiter Grote lehnt Erweiterung ab

Von Andreas Tsilis.
Wird die Hilfsbereitschaft, die Wilhelmsburger Flüchtlingen gegenüber an den Tag legen, von der Innenbehörde ausgenutzt? Die Behörde hat gerade die Zentrale Erstaufnahme (ZEA) Dratelnstraße um weitere 500 Plätze vergrößert.
„Das geht gar nicht“, urteilt der Beirat für Stadtteilentwick- lung – und fordert von der Politik eine fairere Verteilung der Flüchtlinge auf alle Bezirke und Stadtteile. Der Vorwurf: Andere, wohlhabendere Stadtteile wehren sich erfolgreich gegen Erstaufnahmelager, und in der Dratelnstraße wird die Erweiterung schnell mittels Polizeigesetz durchgesetzt.
Auch für Bezirksamtsleiter Andy Grote ist die Aufnahme neuer Flüchtlinge „nicht mehr vertretbar“. Dagegen wirbt Frank Reschreiter, Sprecher der Innenbehörde, um Verständnis. Das Erschließen neuer Standorte brauche Zeit, die man nicht habe. Die Zahl der Flüchtlinge sei akut gestiegen – auf bis zu 300 täglich. Reschreiter: „Wir müssen verhindern, dass diese Menschen obdachlos werden.“
Im Stadtteil stößt die weitere Aufnahme von Flüchtlingen auf geteilte Zustimmung. „Vorrangig brauchen die Leute eine Perspektive“, sagt Maschinenbautechniker Udo Schulz (57), dessen Frau aus Kamerun stammt. Trotz vieler Kurse, Zertifikate und Schweißerausbildung sucht die Afrikanerin seit fast zwei Jahren nach einem adäquaten Job.

Freiraum, um die
Würde zu wahren

Auch im Kleingartenverein Bauernfelde von 1953 hat man grundsätzlich nichts gegen die Erweiterung des Aufnahmelagers. Das Bemerkenswerte daran: Mancher Laubenpieper machte 2013 selbst schlechte Erfahrungen mit dem „staatlichen Flächenmanagement“, einige verloren wegen der IGS ihre eigene Scholle.
Für Hobbygärtner wie Eckard Sutter ist es deshalb auch überaus wichtig, „dass in den Unterkünften genügend Freiräume bestehen, um die Menschenwürde zu wahren“.
Wie auf wenig Fläche viele zum Zuge kommen, weiß man beim ESV Einigkeit. Dort trainieren auch Vereine, die keinen eigenen Sportplatz haben. Die Flüchtlinge aus dem benachbarten Erstaufnahmelager lässt man bei Veranstaltungen schon mal umsonst auf das Gelände.
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