Flüchtlings-WG gesucht

Hassan (l.) mit DRK-Sozialarbeiter Pablo Paz vor der Einrichtung am Karl-Arnold-Ring. Dort leben derzeit 310 Flüchtlinge – offiziell sollen es höchstens 250 sein. Foto: cvs

Menschen wie Hassan (22) haben es in Hamburg schwer,
eine Folgeunterkunft zu finden

Von Christopher von Savigny.
Das erste, was Hassan (22) von Deutschland sah, war eine Landstraße in Bayern. „Ich war froh, dass ich wieder atmen konnte", sagt der junge Mann, der aus dem Irak stammt. Sieben Tage lang war er unterwegs gewesen, zusammengepfercht mit anderen Flüchtlingen im Laderaum eines Lieferwagens. Ein Onkel in der Türkei hatte ihm den Kontakt zu einem Schleuser vermittelt, der die Gruppe auf verschlungenen Wegen durch halb Europa manövrierte. 10.000 Euro pro Person kostete die Tour. „Das Geld haben meine Eltern und meine Geschwister für mich gesammelt", berichtet Hassan.
Seit sieben Monaten lebt der Iraker, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, in der Erstaufnahme am Karl-Arnold-Ring, die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Harburg betrieben wird. Eigentlich viel zu lang: Offiziell endet die „Residenzpflicht" nach drei Monaten, doch Hamburgs Folgeeinrichtungen können nicht alle Menschen aufnehmen.
Dabei würde Hassan lieber heute als morgen umziehen. Am Karl-Arnold-Ring lebt er mit 15 weiteren Flüchtlingen zusammen in einem Raum. „Nachts arbeite ich und vormittags gehe ich in die Schule“, lässt er seinen Arabisch-Dolmetscher übersetzen. „Ich brauche ein bisschen mehr Ruhe, um in Hamburg
ankommen zu können und besser Deutsch zu lernen!“
Pablo Paz, Sozialarbeiter in der Einrichtung, weiß, wie schwierig es ist, Menschen wie Hassan zu einem neuen Zuhause zu verhelfen: „Wohnungssuche – das ist eine Riesenauf-
gabe“, sagt er. Über die Organisation „Flüchtlinge willkommen“ versucht Paz, seine Bewohner anderorts unterzubringen. Vorbild ist Berlin mit seinem Modell der „Interkulturellen WG“. Dort ist es bereits gelungen, anerkannte Flüchtlinge mit jungen deutschen WG-Bewohnern zusammenzubringen. In Hamburg hat es Paz mit Aushängen an der Uni versucht – mit mäßigem Erfolg: „Entweder es hat sich niemand gemeldet, oder es hat sich doch
jemand gemeldet, aber bei uns gab es gerade keinen Bedarf“, bedauert der Sozialarbeiter.
Wer mit einer Wohnung oder einem WG-Zimmer helfen möchte, kann eine E-Mail an post@wochenblatt-redaktion.de schicken. Bitte im Betreff „Flüchtlings WG“ angeben.

Hintergrund
Hassan kommt aus Mossul, die Stadt wurde vom Islamischen Staat (IS) besetzt. „Dort herrschen Krieg und Chaos", sagt Hassan. Seine vier
Geschwister im Alter von sechs bis zwölf Jahren leben im Zelt, von seinen Eltern gibt es seit Monaten kein Lebenszeichen. „Ich möchte meine Familie gerne nach Deutschland holen, aber ich weiß auch, dass das schwierig ist", sagt er.
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