Fischladen dicht

Hans-Reimer Schumacher (62) am vergangenen Freitag an seinem letzten Tag im eigenen Fischladen: „Im Reiherstiegviertel ist zu wenig Kaufkraft“, sagt er. „Daran ändert die IBA gar nichts!“

Zu wenig Kunden: Fischhaus Schumacher schließt nach 43 Jahren – einen Tag vor der IBA-Eröffnung

Zwei Doraden, eine Kiste Rotbarsch, ein paar Seelachsfilets und Salate – viel liegt nicht mehr in der Auslage. Hinterm Tresen steht Hans-Reimer Schumacher, freundlich wie immer, vielleicht etwas stiller als gewohnt. Heute verkauft der 62-Jährige zum letzten Mal Fisch in seinem Geschäft in der Fährstraße 65. „Wenn ich am Abend den Laden zumache, wars das“, sagt er. Nach 43 Jahren schließt das Fischhaus Schumacher für immer.
Zwei Jahre lang hat er gegen den drohenden Abstieg angekämpft, hat Preise reduziert und gehofft, dass die Lage sich bessert und wieder mehr Kunden kommen – vergebens. „Das ist einfach eine tote Ecke hier“, sagt er und zeigt auf die menschenleere Fährstraße. Immer mehr Geschäfte würden schließen, und nach dem Wegzug von Budni vor ein paar Jahren habe er Umsatzeinbußen von 30 Prozent gehabt. Sogar freitags, wo traditionell am meisten Fisch gegessen wird, sei kaum noch was los. Schumacher: „Letzten Freitag hatten wir gerade mal 60 Kunden, früher waren es 1.000!“
Bitter: Keine drei Kilometer weiter eröffnet einen Tag nach der Ladenschließung die internationale Bauausstellung (IBA). Wilhelmsburg als Stadtteil im Aufwind? Hans-Reimer Schumacher winkt ab. „Das spielt sich alles rund um den S-Bahnhof ab, da haben wir hier im Reiherstiegsviertel nichts von“, sagt er.
Generell sei Fisch einfach zu teuer geworden, was sich in einem sozial schwachen Stadtteil wie Wilhelmsburg besonders bemerkbar mache. „Hier fehlt einfach die Kaufkraft“, so der Fischmann. Oft würden die Leute ins Schaufenster gucken – und dann doch weitergehen.
Mit der Geschäftsaufgabe verlieren nicht nur die Anwohner den letzten Fischladen, sondern auch drei Halbtagskräfte ihre Jobs. Seit 15, 10 und 6 Jahren haben die drei Verkäuferinnen bei Schumacher gearbeitet, erst eine hat eine neue Stelle. Der Chef selbst macht mit seinem Brötchenlieferservice weiter, den er bereits seit Jahren nebenbei betreibt. Die Einnahmen werden zum Leben reichen, da Personal- und hohe Nebenkosten künftig entfallen.
Im ehemaligen Fischladen wird jetzt ein Döner-Imbiss eröffnen.
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2 Kommentare
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Wilhelmsburgerin Hamburg aus Wilhelmsburg | 27.03.2013 | 16:47  
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 30.03.2013 | 19:04  
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