Film ab im Rialto

Goldrand an den roten Kinositzen, Staub und Feuchtigkeit – schon im kommenden Mai werden im Kinosaal der Rialto-Lichtspiele wieder Zuschauer sitzen.

Nach 25 Jahren Leerstand will Stephan Reifenrath das Kino am Vogelhüttendeich wieder aufmachen

von Angela Dietz

Film-Liebhaber aus Wilhelmsburg können sich freuen: Die Rialto-Lichtspiele am Vogelhüttendeich werden zu neuem Leben erweckt. Lange hieß es, die Eigentümer ließen niemanden in das Gebäude mit dem morbiden Charme ziehen. Stephan Reifenrath hat es dennoch geschafft. Schon im kommenden Mai sollen sich die Saaltüren für das Publikum öffnen.
Doch wie hat Reifenrath die Eigentümer umgestimmt? „Sie haben gemerkt, dass ich mich wirklich für das Kino interessiere“, erzählt der Unternehmer, „und nicht für das Grundstück als Spekulationsobjekt.“ Er träumte davon, dass die Leuchtreklame wieder anspringt. Gemeinsam mit Partner Christian Steinberg hat er das Haus im September schließlich gekauft.
2013, im Jahr von IBA und igs, will der gelernte Kaufmann Reifenrath einen Kultursommer im Rialto veranstalten. Zum Programm sollen Filme, Lesungen, Musik und Theater gehören. „Ich möchte viele Filme in den Originalsprachen zeigen“, erläutert er seinen Kinotraum, „zum Beispiel in kurdisch, französisch oder afrikanischen Sprachen.“ Damit möchte der ambitionierte Kaufmann, der hauptberuflich für Gutbetuchte kleine Privatkinos baut, die Menschen aus dem Viertel ansprechen. Von Mai bis September plant er, mit einem Team täglich Kultur zu präsentieren.
Doch zuerst muss das rotte Gebäude auf Vordermann gebracht werden. Denn das gekachelte Lichtspielhaus im Reiherstiegviertel steht seit etwa 25 Jahren leer. Reifenrath hat mit seinem Enthusiasmus schon jede Menge Leute angesteckt. Sie wollen ihr Können und ihre Zeit ehrenamtlich in das Projekt stecken. „Schon 500 Leute verfolgen das Rialto beim Netzwerk Facebook“, berichtet er stolz. „Und ich konnte Statiker und Architekten gewinnen, mitzumachen.“ Die Unterstützer sammelten schon 20.000 Euro, insgesamt werden 60.000 Euro gebraucht.
Für einen dauerhaften Betrieb des Rialto wären 500.000 Euro Investitionen in das Gebäude nötig, schätzt Reifenrath. Die hat er nicht. Doch ihm ist die Erfüllung einer Sehnsucht, die er mit vielen teilt, wichtiger. „Es ist nicht schlimm, wenn es kein Geld einbringt“, findet er. Alles andere wird sich finden – wenn das Schild Rialto-Lichtspiele wieder leuchtet.
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 29.12.2012 | 03:21  
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