Feuerwehrmann: „Man hat einfach funktioniert“

Die glorreichen Sieben: 50 Jahre nach ihrem 72-stündigen Rettungseinsatz während der Sturmflut 1962 treffen sich sieben ehemalige Feuerwehrleute in ihrer alten Wache an der Rotenhäuser Straße. Foto: sk

Ehemaligen-Treffen 50 Jahre nach Sturmflut-Rettungseinsatz

von Steffen Kozieraz

Gemeinsam kämpften sie 72 Stunden lang. Bis zum Ende ihrer Kräfte und retteten dabei unzählige Wilhelmsburger vor der Flut. Die Feuerwehrmänner der Wache Wilhelmsburg, die bei der Flutkatastrophe von 1962 den wohl härtesten Einsatz ihres Lebens fuhren, trafen sich nun nach 50 Jahren in ihrer ehemaligen Wache an der Rotenhäuser Straße wieder.
Sieben von einst 30 Kameraden (15 sind bereits verstorben) sind dem Aufruf von Paul Jödicke gefolgt. Bei Kaffee und Kuchen haben sie sich viel zu erzählen. Dazu blättern sie sich durch Alben voller Schwarzweiß-Fotos. Doch die stärksten Bilder sind in Farbe und in ihrem Kopf, so wie beim 66-jährigen Paul Jödicke: „Ich werde nie vergessen, wie wir mit dem Einsatzwagen die Georg-Wilhelm-Straße entlangfuhren. Plötzlich – es war Viertel vor Eins – kam uns eine hohe Welle entgegen, die alles mit sich riss.“ Er schaffte es noch, in die nahe gelegene Einsatzzentrale in der Rotenhäuser Straße. Doch schnell lief auch dort der Keller voll, fielen Strom und Telefon aus, und auf der Straße trieb das Wasser 1,5 Meter hoch.
Seinen Kollegen Joachim Boll überraschte die Flutwelle am Krankenhaus Groß-Sand, wo er von der anderen Straßenseite Kinderschreie hörte. Boll: „Da hieß es Fangleine um den Bauch, Handscheinwerfer an und rein ins Wasser. Ich konnte nichts sehen, die Strömung war sehr stark und der Wind heulte laut. Treibende Gegenstände behinderten mich und bald hörte ich keine Stimmen mehr … Ich konnte nichts machen...“
Nach dem Chaos der ersten Nacht begann der koordinierte Einsatz am Nachmittag des 17. Februars. Pausenlos evakuierten sie hunderte Wilhelmsburger, bargen sie von Dächern, brachten sie zum Sammelpunkt ins Gebäude der Stadtteilschule. Jödicke kann kaum erklären, wie sie so lange ohne Pause durchhielten: „Man stieg in den Ein-satzwagen und hat einfach funktioniert.“ Gegen Abend des 18. Februars dann die erste Ablösung für vier Stunden. Erst im Laufe des folgenden Tages konnten sie ihren Einsatz beenden. Jödicke: „Da erst habe ich gemerkt, wie unendlich kaputt ich war.“
Für ihren Einsatz hätten sie eine Medaille verdient, doch Boll winkt lächelnd ab: „Die lehnten wir nach hanseatischer Manier dankend ab.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.