Fall Chantal: Zoff in Hamburger Justiz

Pflegemutter Sylvia L. wird nicht angeklagt.

Staatsanwaltschaft legt Beschwerde gegen Gerichtsentscheid ein

In der Hamburger Justiz gibt es Zoff: Staatsanwälte und Richter ziehen im bevorstehenden Prozess um den Methadontod der elfjährigen Chantal nicht an einem Strang. Während die Staatsanwaltschaft beide Pflegeeltern anklagen wollte, hat das Landgericht jetzt entschieden, nur gegen den Vater Wolfgang A. vorzugehen – und zwar ausschließlich wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen.
Die Staatsanwaltschaft hatte auch Pflegemutter Sylvia L. wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Dies lehnte das Landgericht jedoch ab, da es davon ausgeht, dass Wolfgang A. allein für den Tod des Mädchens verantwortlich ist.
Chantal starb am 16. Januar 2012. Laut Ermittlungsstand hatte sie am Vorabend ihres Todes eine Methadontablette genommen in dem Glauben, es handele sich um ein Mittel gegen Übelkeit. Obwohl das Mädchen an nächsten Tag bis mittags immer noch im Bett war, verließ Wolfgang A. die Wohnung. Hätte er nach ihr gesehen, hätte die Elfjährige wohl gerettet worden können.
Wer die Tablette ungesichert in der Wohnung liegen ließ, konnte nicht geklärt werden. Deshalb „müsse zugunsten der Angeschuldigten Sylvia L. davon ausgegangen werden, dass nicht sie diejenige gewesen sei. Umgekehrt gelte dasselbe für Wolfgang A.“, so eine Gerichtssprecherin. Aus diesem Grund lehnte das Landgericht auch die Anklage der Staatsanwaltschaft auf Verletzung der Fürsorgepflicht ab. Beide Pflegeeltern sind drogenabhängig und werden mit Methadon substituiert.
Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Entscheidung des Gerichtes Beschwerde eingelegt.
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