Experiment gescheitert

Schule Fährstraße, im Frühjahr 2015: Berxwedan, Ishak, Bilal, Mila und Islam (vl.) singen das Zahlenlied. Von eins bis zehn zeigen sie die genannte Anzahl der Finger hoch. Lehrerin Andrea Meyer-Stoll schaut aus dem Hintergrund zu. Foto: ki

Schule Fährstraße darf sich nicht mehr Waldorfschule nennen

In Wilhelmsburg ist ein deutschlandweit einmaliges Schulprojekt gescheitert. Unter dem Motto „Das Beste aus zwei Welten“ wurde die Ganztagsschule Fährstraße seit Herbst 2014 zu einer „Waldorfschule unter staatlicher Regie“ umgewandelt. Jetzt hat sich der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) aus dem Projekt zu-rückgezogen. Sein Vorwurf: Nur wenige Waldorfpädagogische Elemente seien in das Schulleben eingeflossen. Kommentar der Schulbehörde: „Schulgesetz und Ausbildungs- und Prüfungsordnung sind nicht verhandelbar.“
Hintergrund: In Wilhelmsburg wollten Eltern eine Waldorfschule gründen. Waldorfschulen sind normalerweise Privatschulen. Sie werden vom Staat nur teilweise gefördert, die Schule muss sich selbst finanzieren. Eltern zahlen Schulgeld.
Die Schulbehörde befürchtete im Vorfeld, dass vor allem Kinder von Eltern, die es sich leisten können, in die Waldorfschule gehen würden. Diese Schüler hätten dann den staatlichen Schulen gefehlt. Um mehr dieser Schüler an staatlichen Schule zu halten, startete Schulsenator Ties Rabe das Projekt, Elemente der Waldorf-Pädagogik an einer staatlichen Schule einzuführen.
Behörde: „Wir halten das Modell weiter für richtig“
„Die mit der Schulbehörde vereinbarte ‘Zusammenarbeit auf Augenhöhe’ zwischen dem Verein Interkulturelle Waldorfpädagogik Wilhelmsburg, der didaktischen Leiterin des Versuches, den Kollegen und der Schulleitung ist in der Praxis nicht umgesetzt worden“, erläutert Henning Kullak-Ublick, Sprecher des BdFWS. Gespräche mit der Schulbehörde seien nicht zustande gekommen. „Auf unseren zweiten Brief hat die Schulbehörde nicht einmal mehr reagiert“, so Henning Kullak-Ublick.
Wie geht’s jetzt weiter? „Wir werden den Schulversuch wie geplant fortführen“, bekräftigt Behördensprecher Peter Albrecht. „Für Schüler, Eltern und Lehrer an der Schule wird sich nichts Wesentliches ändern. Wir werden alle Vereinbarungen aus dem Vertrag mit der Initiative umsetzen. Es gibt personell keine Veränderungen, auch nicht bei den neun Lehrkräften mit Waldorf-Ausbildung. Das Modell staatliche Schule mit waldorfpädagogischen Elementen halten wir für Wilhelmsburg - nach wie vor - für richtig und zukunftsweisend.“
Ob alle Eltern das auch so sehen? Inzwischen wird wieder über die Gründung einer „normalen“ Waldorfschule in Wilhelmsburg diskutiert.

Das Besondere
Was ist anders in der Schule Fährstraße? Die Schüler der vier ersten Klassen lernen in Epochen: Sie beschäftigen sich zwei bis sechs Wochen lang mit einem Thema, das sie in allen Unterrichtsfächern durchnehmen. Das
Gelernte halten die Kinder in selbst gestalteten Epochenheften fest. Der Theaterbereich wurde ausgebaut, es werden regelmäßig
Theaterstücke aufgeführt. Zusätzlich werden Formen- zeichnen und Handarbeit
angeboten. Es gibt Gartenarbeit, eine Holzwerkstatt und im Rahmen der Ganztagsschule auch Eurythmie.

Die Waldorfpädagogik ist eine von Rudolf Steiner (1861–1925) gegründete
Pädagogik auf der Grundlage der ebenfalls von ihm ent- wickelten Menschenkunde Anthroposophie.
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