„Es gibt Wichtigeres als Handys und Klamotten“

Sinem, Emine und Melahat Zeybeck (v.l.) mit ihren Gästen Anna Rivera (vorn) und Marnie Jhoselinne Toledo (r.) aus Guatemala. (Foto: sd)

Kinderkulturkarawane: Familie Zeybeck aus Wilhelmsburg hatte Gäste aus Guatemala

von Sabine Deh

Hinter Familie Zeybeck liegen zwei aufregende Wochen. In ihrer gemütlichen Wohnung am Dahlgrünring beherbergten die Zeybecks Gäste aus Guatemala: Lehrerin Marnie Jhoselinne Toledo (23) und Anna Rivera (13), die zurzeit mit der Kinderkulturkarawane auf Deutschlandtour sind.
Emine Zeybeck (14), die die 9. Klasse am KiWi-Gymnasium besucht, kam vor den Sommerferien nach Hause und berichtete ihren Eltern, dass noch Unterkünfte für die Gäste aus Zentralamerika gesucht würden. „Wir führen ein offenes Haus, darum haben wir gleich zugestimmt“, erzählt Melahat Zeybeck, eine warmherzige 38-jährige Frau, die wir ihr Mann türkische Wurzeln hat. Erschüttert war die Wilhelmsburger Familie allerdings, als ihnen Lehrerin „Jossie“ von den Lebensbedingungen in dem armen, von Krisen erschütterten Land erzählte. Viele Landsleute seien Analphabeten und ohne Arbeit, Entführungen und Erschießungen gehörten zur Tagesordnung, die Wohnverhältnisse seien ka-tastrophal, viele Kinder müssten sich einen Job suchen, damit ihre Familien überleben können. Genau für diese Mädchen und Jungen wurde vor einigen Jahren die Schule „Contrarte“ gegründet, die sich ausschließlich durch Spendengelder finanziert. Die Kinder lernen dort Schreiben, Rechnen und Lesen, aber auch Tanzen, Schauspiel und Musik. Jossie: „Gerade der künstlerische Unterricht hilft den Kindern, das Elend zu vergessen.“
In dem Tanz- und Theater-Stück „encontrARTE“ schildern die jungen Darsteller ihre Ängste und Wünsche, vor allem aber ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das Bürgerhaus Wilhelmsburg bot in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge einer Gruppe aus der Kinderkulturkaravane eine Plattform und organisierte auch den Aufenthalt der neun Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren. „Während ihres Aufenthalts besuchten sie den Schulunterricht und boten ihrerseits Theaterworkshops an“, erzählt Judy Engelhard vom Bürgerhaus.
Für Emine Zeybreck und ihre Schwester Sinem (10) wird dieser Besuch wohl unvergesslich bleiben. „Ich habe gelernt, dass es deutlich wichtigere Themen gibt als das neueste Handy oder Markenklamotten“, so Emine, der der Abschied von ihren neuen Freundinnen sichtbar schwer fiel.
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