Er verlor seine ganze Familie

Erwin Papenfuß 1963 auf der Parzelle 237a am Honartsdeicher Weg, wo sich ein Jahr zuvor das Drama abgespielt hatte. Foto: privat

Dem Kriegsversehrten Erwin Papenfuß hatte das Hochwasser vom 16. Februar 1962 alles genommen

Erwin Papenfuß hat das Schicksal übel mitgespielt. Kurz vor Kriegsende hatte eine Granate sein Bein weggerissen, später verlor er bei der Flutka-tastrophe von 1962 seine ganze Familie: seine Frau Alma, die beiden kleinen Kinder und seine Eltern ertranken in den Fluten, er selbst konnte sich auf das Dach eines Schuppens retten. Viele Zeitungen berichteten damals über das Schicksel des Wilhelmsburgers.
„Es ist ein Wunder, dass er es als Kriegsversehrter mit nur einem Bein geschafft hat, sein Leben zu retten“, sagt Roswitha Kirchner, die Stieftochter. Die Erlebnisse der Schreckensnacht kennt sie nur aus seinen Erzählungen. Wie bei so vielen, die in der Nähe des gebrochenen Deichs wohnten, war ein Entkommen aus dem Haus nicht mehr möglich. Die Wassermassen
drückten von außen gegen die Tür. „Deshalb versuchte er, mit einer Axt ein Loch in die Decke zu schlagen, um auf den Speicher und von da aus aufs Dach zu kommen“, berichtet Kirchner. Doch was er nicht wusste: Ausgerechnet an der Stelle, die er mit der Axt bearbeitete, befand sich der tragende Balken aus Hartholz – da war kein Durchkommen.
Plötzlich krachte es, das Wasser hatte die Haustür
aufgedrückt, alle schrien entsetzt auf. Erwin Papenfuß wurde von den Wassermassen nach draußen gerissen, konnte sich gerade noch an einer elektrischen Leitung festhalten und aufs Dach hangeln. Dort verharrte er in der Kälte in seinen nassen Kleidern 14 Stunden lang, rief immer wieder nach Frau und Kindern. Die wurden erst am nächsten Tag gefunden, tot, wie auch seine Eltern, die im Nachbarhaus gewohnt hatten.
Der Lebensmut des Witwers war dahin. Eine Altbauwohnung wurde ihm zugewiesen, doch was sollte er dort als Schwerbeschädigter, so ganz allein? Zuerst kümmerte sich ein Arbeitskollege um ihn, später eine frührere Freundin seiner Frau – Karoline. Die junge Frau zog zu ihm und führte ihm den Haushalt. Ihre beiden Kinder brachte sie mit, was die Rettung für den verzweifelten Mann bedeutete: die Kinder halfen ihm über die schwerste Zeit des Lebens hinweg. 1971 wurde geheiratet.
Eines der Kinder war Roswitha Kirchner, die heute in Kirchdorf lebt. „Mein Stiefvater hatte damals durch uns wieder eine Aufgabe im Leben: unsere Familie retten.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.