„Eltern kümmern sich lieber selbst“

Das Betreuungsangebot außerhalb der Kernzeit wird an der GS Kirchdorf kaum genutzt. Foto: cvs

Grundschule Kirchdorf: Nur elf Prozent der Kinder nutzen das Ferienangebot - Ursache unklar - zu hohe Kosten?

Von Ch. v. Savigny.
Eine Ferien-Betreuungsquote von nur elf Prozent, dazu ein äußerst magerer Besuch der freiwilligen Nachmittagsstunden – in Sachen Auslastung liegt das Angebot der ganztägigen Bildung und Betreuung (GBS) an der Grundschule Kirchdorf hamburgweit ganz hinten. Dies hatte eine Anfrage der Linken in der Bürgerschaft ergeben.
Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Fraktion, fragt sich, wie es zu diesem Ergebnis kommt: „Wenn es an den Gebühren liegt, müssen sie weg“, fordert sie. „Wenn es daran liegt, dass die Qualität des schulischen Ganztags nur dann ertragen wird, wenn es keine Alternativen gibt, ist das auch sehr bedenklich.“ Zum Vergleich: Nur vier von Hamburgs 125 Grundschulen haben eine ähnlich magere Ferienauslastung von weniger als 20 Prozent – der Höchstwert hingegen liegt bei satten 73 Prozent.

Kapazitäten nicht
ausgeschöpft

Seit knapp drei Jahren unterhält die Grundschule Kirchdorf eine Kooperation mit der benachbarten Kita Prassekstraße: Die Schüler können ihre Hausaufgaben erledigen, basteln, malen, spielen oder Sport machen. Das Angebot ist kostenlos. Lediglich für Früh-, Spät- und Ferienbetreuung muss – je nach Einkommen der Eltern – eine Gebühr gezahlt werden.
„Kosten sind natürlich immer ein abschreckender Faktor“, sagt Lars MacKenzie, der an der Kita das GBS-Programm organisiert. 90 Euro müssten Eltern zurzeit für eine Ferienwoche bezahlen – plus Verpflegung. „Zuletzt hatten wir zwischen 10 und 25 Kinder zu betreuen – damit sind unsere Kapazitäten bei weitem nicht ausgeschöpft“, räumt MacKenzie ein. Schulleiter Christian Gronwald findet die niedrigen Zahlen nicht überraschend: „Viele unserer Eltern sind nicht erwerbstätig und betreuen ihre Kinder lieber zu Hause. Das ist ganz normal!“
Für eine Verbesserung des Ganztagsangebots setzen sich hamburgweit zwei Initiativen ein („Guter Ganztag“ und „Wir gehen aufs Ganze“). Gefordert werden unter anderem sichere Vollzeit- (statt Teilzeit-)Stellen für die Betreuer. Außerdem sollen Schule und Betreuungsträger täglich eine Stunde gemeinsam gestalten, damit der Übergang für die Schüler fließender ist.
Tatsächlich scheint die Zusammenarbeit häufig schlecht zu funktionieren: Nach Angaben der Linken haben in diesem Jahr bereits zwölf Träger die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Schulen gekündigt.


Was ist GBS?
GBS steht für „Ganztägige Bildung und Betreuung“, die in den letzten Jahren flächendeckend an den Hamburger Grundschulen eingeführt wurde. Für eine Betreuung zwischen 8 und 16 Uhr zahlen die Eltern nichts, davor und danach gibt es zusätzliche kostenpflichtige Betreuungsangebote. Die Kooperation zwischen der Grundschule Kirchdorf und Kita Prassekstraße (Träger ist die Elbkinder-Vereinigung) besteht seit August 2013.
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