Einfach plattgemacht

Jörg Mehldau steht auf dem gerodeten Gelände. „Ich habe viele tote Igel gefunden“, sagt er.

Einlagedeich: Naturbelassene Fläche in Hauruck-Aktion gerodet – Anwohner befürchten Bebauung

Jörg und Stephanie Mehldau wohnen dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen: Am Ende des Einlagedeichs in Moorwerder darf Natur noch Natur sein, nichts als Wiesen, Felder und Obstbäume. Das Grundstück der Familie grenzt an eine naturbelassene Fläche, die seit einer gefühlten Ewigkeit vor sich hinwuchert. Zwischen wilden Brombeerbüschen und niedrigen Weiden lebten allerlei Kleintiere – bis plötzlich das Flurstück gerodet wurde. „Von einem auf den anderen Tag wurde alles plattgemacht“, erzählt Jörg Mehldau entsetzt.
Fasane und Spechte hätten in der Wildnis gelebt, Fledermäuse und Rehe seien immer mal wieder gesichtet worden, Igel hielten hier ihren Winterschlaf. Jörg Mehldau hatte noch die Polizei verständigt, doch als die Beamten anrückten, waren die Bagger schon wieder auf dem Heimweg und die Fläche platt wie eine Flunder. „Brombeeren stehen zwar nicht unter Schutz, aber ich glaube trotzdem nicht, dass diese Abholz-Aktion erlaubt war“, so Jörg Mehldau.
Seine Frau Stephanie will zudem erfahren haben, dass der Grundeigentümer die rund 20.000 Quadratmeter große Brombeerwiese in Bauland verwandeln will. Die Behörde habe dies jedoch auf Nachfrage verneint. Jörg Mehldau: „Wir sind uns da aber nicht so sicher. Im Zuge von igs und IBA wurde in letzter Zeit so einiges abgeholzt und dann bebaut!“
Beim Bezirksamt Mitte ist der Vorfall bereits aktenkundig. Offenbar war die Rodung im Hauruck-Verfahren tatsächlich nicht legal. „In Abstimmung mit der Umweltbehörde befindet sich ein Verfahren nach Ordnungswidrigkeitengesetz in der Vorbereitung“, bestätigt Bezirksamtssprecher Norman Cordes. Wegen zeitlicher und personeller Engpässe könne der Fall jedoch nicht zeitnah bearbeitet werden.
Nicht ganz so eindeutig ist die Frage, ob die Fläche bebaut werden darf. Das Grundstück ist zwar als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, dennoch sind „privilegierte“ Bauten, etwa landwirtschaftlich genutzte Gebäude, zulässig. Cordes: „Eine konkrete Aussage zu einer möglichen Bebauung kann trotzdem nur nach einer eingehenden sachlichen und rechtlichen Prüfung im Rahmen eines förmlichen Genehmigungsverfahren nach der Hamburgischen Bauordnung gemacht werden.“
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