Eine Willkommenskultur?

Federico Gillessen gibt Deutschunterricht in der Flüchtlingsunterkunft Karl Arnold Ring 11 und appelliert an andere, auch zu helfen

von Federico Gillessen, Wilhelmsburg

Seien wir doch bitte nicht wieder so scheinheilig! Sind wir einmal ehrlich: Keiner ist begeistert, dass diese Leute plötzlich hier sind. Das sie unser ganzes Leben und unsere Gesellschaft verändern. Sie bringen Probleme mit sich, eine vollkommen andere Kultur und ein anderes Verständnis der Gesellschaft, des Zusammenlebens. Schon die Gastarbeiter gleich nach dem Krieg waren uns fremd und irgendwie unheimlich.
Ich kann gut verstehen, dass manche deutsche Mitbürger skeptisch bis ablehnend gegenüber Flüchtlingen sind. Es ist ganz einfach: Kann sich bitte jeder von uns einmal in die Lage dieser Leute versetzen? Glaubt jemand tatsächlich, dass diese Menschen freiwillig ihre Heimat, ihre Familien, ihre gewachsene Gesellschaft, ihre kulturellen Bindungen verlassen, um hier in der Fremde, in einem Land, dass sie nicht kennen, einer Sprache, einer Kultur, die sie nicht verstehen, neu anzufangen?

Nicht lange fragen,
einfach helfen!

Es sind keine Auswanderer, die voll Neugier und Abenteuerlust irgendwo ein neues Leben anfangen wollen. Unter Lebensgefahr fliehen zu müssen – weil im eigenen Land Krieg oder bittere Armut herrschen, unter gefährlichsten Umständen eine hindernisreiche Reise antreten zu müssen, skrupellosen Schleppern und Schleusern ausgeliefert zu sein – die die Ärmsten der Armen nicht bezahlen können, von einem Land zum anderen verschoben zu werden – weil man eben nicht willkommen ist. Können wir uns das bitte einmal für uns vorstellen?! Dann fragen wir uns bitte: wie würden wir uns fühlen, was erhoffen wir uns hier bei den Fremden? In allen Kulturen – auch in unserer – war die Gastkultur stets heilig. Die Unterstützung und Hilfsbereitschaft Bedürftigen gegenüber stets eine soziale, ethische Pflicht. Es sind ein paar mehr Gäste als sonst, wir haben sie nicht eingeladen. Doch wollen wir deswegen unsere Türen und unsere Herzen verschließen?
Sie auch abweisen und weiterschicken? Wohin? Warum – typisch deutsch – irgendwelche – kontrovers diskutierbare Begriffe prägen? Helft einfach! So wie ich das – ohne lange zu fragen – zusammen mit anderen Menschen hier in Wilhelmsburg tue.
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