Ein Waisenhaus für Äpfel und Birnen

Harald Köpke hat an den Deichen Wilhelmsburgs zahlreiche alte Obstbäume entdeckt, deren Früchte keinen Namen haben. Dieser Obstbaum mit unbekannter Apfelsorte steht auf einem Privatgrundstück am Goetjensorter Deich.

Plan: Ein Erhaltungsgarten soll alte, regionaltypische Obstsorten retten

Harald Köpke aus Moorwerder hat einen Plan: Der ehemalige Vorsitzende des Naturschutzverbands BUND will ein Waisenhaus bauen. Allerdings nicht für elternlose Kinder, sondern für „elternlose“ Obstsorten, also für all die unbekannten Äpfel und Birnen aus der Gegend, die noch keinen Namen haben. „Es gibt hier am Deich unglaublich viele alte Apfel- und Birnbäume, die es lohnt zu erhalten“, so der 63-Jährige. Die Fachbezeichnung für ein solches Obst-Waisenhaus lautet: Erhaltungsgarten.
Die Idee dazu kam Köpke vor ein paar Wochen auf den Apfeltagen, zu denen er einige ungewöhnlich aussehende Birnen und Äpfel mitnahm. „Doch die Obstfachleute dort konnten sie nicht bestimmen, die Sorten waren unbekannt!“ Viele dieser regionaltypischen Obstbäume sind über 100 Jahre alt, manche bereits morsch und am Absterben. Köpke: „Durch Veredelung könnte man die alten Bäume retten. Ist der Baum jedoch erst tot, ist das nicht mehr möglich!“
Das Problem: Die Bäume sind in keiner Weise geschützt, da Obstgehölz nicht unter die Baumschutzverordnung fällt. Auch ein Konzept, diese alte Kulturlandschaft zu erhalten, gibt es nicht. „Die alten Obstsorten sind aber Teil unseres kulturellen Erbes, haben sich an unser Klima und den heimischen Boden angepasst“, appelliert Köpke. „Wir sollten alles daran setzen, diese genetische Vielfalt zu erhalten!“
Wie so etwas funktioniert, macht Apfelexperte Eckart Brandt mit seinem „Boomgarden“-Projekt vor: Auf seinen Obsthöfen rettet er durch Veredelung seit Jahren regionale Obstsorten und damit die biologische Vielfalt. „Wenn ein Baum in Winterruhe ist, werden die Spitzen gekappt. Diese sogenannten Reiser können dann im Frühjahr auf die Unterlage gepfropft werden“, erklärt Brandt das Procedere. Als Unterlage bezeichnet man kleine Baumstämmchen, die es bei Baumschulen gibt. „So bleiben die Gene erhalten.“
Für seinen Erhaltungsgarten hofft Harald Köpke jetzt auf Hilfe. „Wir suchen Sponsoren, die uns finanziell unterstützen, und wir benötigen eine geeignete Fläche.“ Das Wichtigste seien allerdings die Äpfel und Birnen. „Ich bitte alle Wilhelmsburger in den ländlichen Bereichen, die noch alte Obstbäume haben, sich bei mir zu melden!“
Kontakt: S 0176-49 47 34 08
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.