Ein Stück Kohle genügt

Zeichnet seinen Heimatstadtteil mit schwarzer Kohle: der Wilhelmsburger Künstler Dragan Prgomelja (33). (Foto: cvs)

Der Wilhelmsburger Künstler Dragan Prgomelja liebt klare Formen

von Ch. v. Savigny, WIlhelmsburg
Dragan Prgomeljas Lieblingsfarbe ist Schwarz. Das hat weniger mit einer düsteren Lebenseinstellung zu tun als mit Prgomeljas Vorliebe für klare Linien: „Ich konzentriere mich auf die Form“, sagt der Wilhelmsburger Künstler, der sein Atelier in einem uralten Werkstattgebäude in einem Hinterhof am Stübenplatz hat. Fünf weitere Kreative, darunter ein Schriftsteller und ein Architekt, sitzen hier in einem Raum. Ob das in dieser Zusammensetzung funktioniert, weiß Prgomelja noch nicht: „Ich bin gerade erst eingezogen“, berichtet er.
Als Künstler ist der gebürtige Hamburger mit serbischen Wurzeln Minimalist: Ein Stück Zeichenkohle genügt ihm, um seine zeichnerischen Vorstellungen zu Papier zu bringen. Zu seinen Motiven zählen interessante Gebäude und verschlungene Baumwurzeln – prinzipiell alles, was eine ansprechende Form hat. In seinem Heimatsstadtteil hat er den Hochbunker, alte Industrieanlagen und Brückenköpfe portraitiert. Schattierungen von zart bis kräftig lassen die Objekte plastisch wirken. Prgomeljas Umgang mit dem Medium Zeichenkohle ist ungewöhnlich: Meist wird sie genutzt, um Skizzen und Studien herzustellen. Die großformatigen, bis zu 1,2 mal 1,5 Meter großen Werke des 33-Jährigen wirken dagegen schon fast wie Gemälde.
Apropos Wilhelmsburg: Für Prgomelja ist der Sommer 2011 eine Zeit der Heimkehr. Acht Monate lang hat er zuvor die Berliner Kunstszene erforscht, davor war er nochmal acht Monate lang in Belgrad, der Heimat seiner Eltern. Dort herrsche eine ganz andere Mentalität, erzählt Prgomelja, der neben dem deutschen auch einen serbischen Pass besitzt. „Alles ist viel chaotischer als hier. Und Kunst muss immer politisch sein.“ Das treffe auf ihn zwar nicht zu: „Ich bin schon politisch interessiert, aber das drückt sich nicht in meiner Kunst aus.“ Aber der Auslandsaufenthalt habe ihm in jedem Fall reichlich „neuen Input“ gegeben.
Einige Orte aus seiner Kindheit erkennt der 33-Jährige, der bislang auf St. Pauli gelebt hat, nicht mehr wieder. Dafür habe der Stadtteil jetzt viele neue, junge Bewohner. „Früher dachte ich: Für Wilhelmsburg interessiert sich keiner. Jetzt habe ich den Eindruck, das ändert sich!“
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